Des Teufels Arsch
Von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen war trotz anhaltender Alarmstimmung in Folge der Pariser Anschläge nichts zu bemerken, als die römische Oper im Teatro Costanzi mit Henzes «Bassariden» einen außergewöhnlichen Saisonstart feierte. Im neubestuhlten Saal fand sich ein bunt gemischtes Publikum ein: diverse ranghohe Staatsdiener samt Wirtschaftsminister und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Opernenthusiasten sowie nicht zuletzt ein ansehnlicher Prozentsatz Opernnovizen, um die sich das Haus mit speziellen Angeboten gezielt bemüht.
Was die Wirkung der Aufführung betrifft, gelang lediglich ein Achtungserfolg: Regloses Ausharren während der zweistündigen Vorstellung, lauwarmer Applaus, schließlich ein eiliger Rückzug.
Mario Martones Version des griechischen Mythos geriet zu einem rauschenden Fest des Obszön-Okkulten – man feierte «des Teufels Arsch», um mit Goethe zu sprechen. Vom apollinischen Element – das galt auch für das «Kalliope»-Intermezzo – keine Spur mehr. Es regierte das Dionysische in Form einer dunklen Unterwelt irgendwo zwischen Walpurgisnacht und Gewaltexzessen im Stil des IS. Bereits am Anfang tat sich in der mit roten Teppichläufern bedeckten Bühne (Sergio ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Carlo Vitali
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