O hehrstes Wunder

Im Oktober steht sie letztmalig auf einer Opernbühne – als Klytämnestra in Strauss’ «Elektra». Mit dieser Partie beendet Waltraud Meier ihre Karriere. Ein Gespräch über Abschiede, Lebens-Künstler, das Phänomen Bayreuth – und wie schwierig es ist, Wagner gut zu singen

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Frau Meier, von Ingeborg Bachmann ist der Satz überliefert: «Aufhören können, das ist nicht eine Schwäche, das ist eine Stärke.» Mezzosoprane scheinen darin gut zu sein, drei Namen mögen genügen: Janet Baker, Brigitte Fassbaender, Christa Ludwig.
Ich sehe es so: Generell fällt es Männern schwerer, aufzuhören. Sie identifizieren sich mehr über ihren Beruf als Frauen. Männer sind das, was sie tun. Bei uns Frauen habe ich eher das Gefühl – klar, es gibt Ausnahmen –, dass Frauen sich nicht unbedingt mit dem identifizieren, was sie tun, sondern was sie sind.

Bei meinen Kolleginnen stelle ich zunehmend fest, dass sie ein Leben jenseits der Bühne haben. Ich denke zum Beispiel an Deborah Polaski, mit der ich mich über dieses Thema unterhalten habe. Deborah, die unterrichtet, ist der Abschied von der Oper super gelungen. Sie war nie nur die Sängerin, hat sie mir gesagt. Genau so habe ich das empfunden. Jetzt fällt dieser Teil meines Lebens weg, das hat auch was Gutes.

Erinnern Sie sich an den Moment, in dem der Gedanke vor Ihnen stand: «Ich werde zum letzten Mal auf der Bühne stehen»?
Direkt an den Moment im Sinne eines Datums nicht. Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt gab es eine innere ...

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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Mythos Wagner, Seite 128
von Götz Thieme

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