O hehrstes Wunder
Frau Meier, von Ingeborg Bachmann ist der Satz überliefert: «Aufhören können, das ist nicht eine Schwäche, das ist eine Stärke.» Mezzosoprane scheinen darin gut zu sein, drei Namen mögen genügen: Janet Baker, Brigitte Fassbaender, Christa Ludwig.
Ich sehe es so: Generell fällt es Männern schwerer, aufzuhören. Sie identifizieren sich mehr über ihren Beruf als Frauen. Männer sind das, was sie tun. Bei uns Frauen habe ich eher das Gefühl – klar, es gibt Ausnahmen –, dass Frauen sich nicht unbedingt mit dem identifizieren, was sie tun, sondern was sie sind.
Bei meinen Kolleginnen stelle ich zunehmend fest, dass sie ein Leben jenseits der Bühne haben. Ich denke zum Beispiel an Deborah Polaski, mit der ich mich über dieses Thema unterhalten habe. Deborah, die unterrichtet, ist der Abschied von der Oper super gelungen. Sie war nie nur die Sängerin, hat sie mir gesagt. Genau so habe ich das empfunden. Jetzt fällt dieser Teil meines Lebens weg, das hat auch was Gutes.
Erinnern Sie sich an den Moment, in dem der Gedanke vor Ihnen stand: «Ich werde zum letzten Mal auf der Bühne stehen»?
Direkt an den Moment im Sinne eines Datums nicht. Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt gab es eine innere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Mythos Wagner, Seite 128
von Götz Thieme
Sir Georg Solti erinnerte sich: Schon 1947 habe er als Mittdreißiger an der Bayerischen Staatsoper einen «Tristan» dirigiert – auswendig. Der greise Richard Strauss äußerte sich im Gespräch danach höchst anerkennend, auch über die Gedächtnisleistung, um dann überraschend zu fragen: Im H-Dur-Schluss, dem klanglich «schönsten» Akkord der Musikgeschichte, spielten...
Was Hollywood mit Kasan gemeinsam hat? Auf den ersten Blick wenig. Dennoch lassen sich Kongruenzen herstellen, beispielsweise über «Otschi tschornyje» («Schwarze Augen»), jenes sehnsüchtige Lied auf einen Text von Jewhen Hrebinka und mit der Musik Florian Hermanns, das in den 1930er-Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika äußerst populär wurde. Unter diesem...
Eigentlich wäre die Sache ganz einfach: Ein Jüngling liebt ein Mädchen, und die liebt keinen anderen. Das Glück liegt auf der Straße, die schon viele zuvor entlanggingen, der Jüngling muss sich nur bücken, es aufheben und in die Tasche stecken. Was aber in der Realität häufig genug funktioniert (allerdings mit höchst unterschiedlichen Endergebnissen), findet sich...
