Dein ist mein ganzes Herz
Eigentlich wäre die Sache ganz einfach: Ein Jüngling liebt ein Mädchen, und die liebt keinen anderen. Das Glück liegt auf der Straße, die schon viele zuvor entlanggingen, der Jüngling muss sich nur bücken, es aufheben und in die Tasche stecken. Was aber in der Realität häufig genug funktioniert (allerdings mit höchst unterschiedlichen Endergebnissen), findet sich insbesondere in der romantischen Dichtung selten. Der Held, der kaum je einer ist, wandelt suchend durch die Welt, die wahre Liebe aber findet er nur in Ausnahmefällen.
Genau aus diesem Schmerz, aus dieser unerfüllten Sehnsucht heraus, entsteht Kunst. Und findet die Lyrik der Tristesse dann noch einen musikalischen Genius, der ihren Geist aufzuspüren imstande und willens ist, sie in Töne zu fassen, dann entstehen zuweilen Wunderwerke wie die «Winterreise» oder «Die schöne Müllerin». Will man das Lebensgefühl einer ganzen Generation von poetisch nicht nur angewehten, sondern förmlich durchdrungenen jungen Menschen verstehen, kommt man an beiden Liedzyklen kaum vorbei. Was zum einen den genialen Versen des (bis heute geradezu sträflich unterschätzten) Dichters Wilhelm Müller zu danken ist und zum anderen jenem Komponisten, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Nachwuchssänger des Jahres, Seite 52
von Olga Myschkina
Herr Freyer, Sie arbeiten auch im Alter unverändert viel und konzentriert. Wie war Ihr Tag heute?
Er war schöpferisch, aber nur für den Körper und fürs Gemüt. Meine Frau und ich haben einen frühen Spaziergang gemacht, aber da fing es wieder an zu regnen. Man arbeitet ja trotzdem, man kann es gar nicht lassen. Es macht so viel Spaß.
Ist Italien auch für Sie die...
Als im vergangenen Jahr Christoph Menkes «Theorie der Befreiung» erschien, musste man bei der Lektüre gleich zu Beginn schlucken. Denn die Diagnose des Frankfurter Philosophieprofessors war beileibe nicht dazu angetan, Hoffnungsfunken zu versprühen: «Wir leben in einer Zeit gescheiterter Befreiungen.» Das war starker Tobak, der sich nur wenige Zeilen später noch...
Georg Friedrich Händels «Hercules» an der Oper Frankfurt war in der Inszenierung von Barrie Kosky ein Triumph für die Sängerin Paula Murrihy als Dejanira – und für den Chor. Das liegt einerseits an Händel, der ihm eine so reflektierende, empathische, neugierige Rolle gibt, wie es einem (wenn auch opernnahen) Oratorium geziemt. Das liegt andererseits am Regisseur,...
