Dein ist mein ganzes Herz
Eigentlich wäre die Sache ganz einfach: Ein Jüngling liebt ein Mädchen, und die liebt keinen anderen. Das Glück liegt auf der Straße, die schon viele zuvor entlanggingen, der Jüngling muss sich nur bücken, es aufheben und in die Tasche stecken. Was aber in der Realität häufig genug funktioniert (allerdings mit höchst unterschiedlichen Endergebnissen), findet sich insbesondere in der romantischen Dichtung selten. Der Held, der kaum je einer ist, wandelt suchend durch die Welt, die wahre Liebe aber findet er nur in Ausnahmefällen.
Genau aus diesem Schmerz, aus dieser unerfüllten Sehnsucht heraus, entsteht Kunst. Und findet die Lyrik der Tristesse dann noch einen musikalischen Genius, der ihren Geist aufzuspüren imstande und willens ist, sie in Töne zu fassen, dann entstehen zuweilen Wunderwerke wie die «Winterreise» oder «Die schöne Müllerin». Will man das Lebensgefühl einer ganzen Generation von poetisch nicht nur angewehten, sondern förmlich durchdrungenen jungen Menschen verstehen, kommt man an beiden Liedzyklen kaum vorbei. Was zum einen den genialen Versen des (bis heute geradezu sträflich unterschätzten) Dichters Wilhelm Müller zu danken ist und zum anderen jenem Komponisten, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Nachwuchssänger des Jahres, Seite 52
von Olga Myschkina
Herr Žuraj, wie geht also ein solches Kunststück?
Händl Klaus hat den Stoff von Thomas Mann schon lange in sich getragen und den Wunsch geäußert, daraus ein Musiktheaterstück zu machen. Mich selbst hat vor allem der Umbruch interessiert, in den die Hauptfigur der Erzählung gestürzt wird – von der Lebensblüte in diese Krankheit, in diesen Zerfall. Ich habe in diesem...
John Allison
London
Opera
1. Yonatan Cnaan: «Theodor» (Pfeffer/Ricklin), Israeli Opera Tel Aviv
2. Francesco Corselli: «Achille in Sciro» (Bolton/Clément), Teatro Real Madrid
3. Sergej Prokofjew: «Krieg und Frieden» (Jurowski/ Tcherniakov), Bayerische Staatsoper München
4. Dmitri Tcherniakov
5. Boris Kudlička
6. Jorge Jara
7. Lidiya Yankovskaya
8. Piotr...
Ziemlich genau 30 Minuten ist der zweite Aufzug alt, da wird er zur Anfechtung, auch für manchen Wagner-Nerd. Der Überraschungsangriff des Vorspiels, die jubelnden «Hojotohos» Brünnhildes, der Ehezank im XXL-Format. Und dann verpuffen und versickern die Effekte, weil es für den Göttervater ans Eingemachte geht, weniger fürs Publikum, so ist das jedenfalls in vielen...
