O Glück! O Grauen! O Gott!

Eine fulminante Wiederentdeckung: Mieczysław Weinbergs Dostojewski-Oper «Der Idiot» am Musiktheater an der Wien, kraftvoll-klug dirigiert von Thomas Sanderling, bildmächtig inszeniert von Vasily Barkhatov

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Wenn ein Reisender in einer Winternacht … Ja, wenn also dieser Reisende in einer Winternacht (oder im Morgengrauen) nach Russland kommt und schon im Zug auf einen Mörder sowie einen bleichen Beamten trifft, nicht ahnend, dass auf der Sitzbank hinter ihm eine Tote liegt, dann kann man eigentlich sein gesamtes Vermögen darauf verwetten, dass man sich in einem Roman von Fjodor Michailowitsch Dostojewski befindet und dass dieser Roman Wendungen und Wechselfälle mit sich bringen wird, die allein mit einem kantisch aufgeklärten Denken kaum zu bewältigen wären.

Denn eines verspricht Dostojewski: Vernunft ist in seiner apokalyptischen Schattenwelt ein Fremdwort. Seine Menschen leiden an der Welt. Doch nicht so melancholisch wie die Menschen Tschechows. Dieses Leiden ist grundsätzlicherer, weit drastischerer Natur. 

So auch in Dostojewskis dystopisch-epischem Roman «Der Idiot». Fast eintausend Seiten lang wogt das Geschehen zwischen Realität und Traum, Thriller und Groteske, Farce und Fabel hin und her. Und mögen sie alle das Paradies auf Erden suchen, wo die Schönheit regiert: Im wirklichen Leben klappt das eben nicht. Zu groß sind die Erwartungen, die Lügen, die (Ent-)Täuschungen und vor ...

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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

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