Der Kommunikator
Eng geht es zu im Hochgebirge. Wo Richard Strauss die Freiheit des Menschen in der Natur preist, sitzen die rund 100 Damen und Herren des Philharmonischen Orchesters Freiburg dicht aneinandergedrängt. Strauss’ «Alpensinfonie» ist nicht unbedingt auf die Maße des Orchestersaals im Theater zugeschnitten.
Und so werden «Gewitter und Sturm» auch zur Bewährungsprobe für die Wände des 113 Jahre alten Theaterbaus, der Ende November 1944 bei einem verheerenden Luftangriff weitgehend zerstört wurde, aber bereits fünf Jahre danach mit Wagners «Meistersingern» wiedereröffnet werden konnte – kein kleines Werk. Und siehe da: Sie halten stand, die Wände. Die Stimmung im Saal ist hochkonzentriert, die Erwartungen sind hoch, einige Musiker aus dem Orchester erinnern sich noch an die letzte Aufführung des Stücks in Freiburg, Anfang der 1990er-Jahre. Seither ist viel passiert – die Stadt bekam 1996 ein knapp 1800 Besucher fassendes Konzerthaus, wo das Werk nun im Rahmen des vierten Philharmonischen Konzerts der Saison erklingt. Einer Saison, die eine große Zäsur für alle Beteiligten bedeutet. Nicht nur, dass die Lockdowns und Beschränkungen der Corona-Zeit Geschichte sind – am Pult des 1877 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Alexander Dick
Es war eine der Sternstunden der Intendanten-Ära des kürzlich verstorbenen Kurt Horres an der Rheinoper, damals, 1986, als der junge Günter Krämer Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt» mit Verweisen auf Hitchcocks «Vertigo» als Psychodrama unheilbarer Traumatisierungen aufschlüsselte. Horres läutete damit einen ästhetischen Paradigmenwechsel ein, der an dem bis...
Keine Kulissen, keine Möbel und erst recht nicht der Versuch, dem antiken Drama eine wohlfeile Aktualität zu verleihen. Nur farblich changierende Neonröhren, die den Gemütszustand der Figuren, und Kostüme, die deren Herkunft und Charakter symbolisieren. Mehr braucht es nicht. Am Theater Erfurt vertraut man voll und ganz Glucks Musik und der ihr innewohnenden...
Operneinakter gehen nicht, auch nicht im Doppelpack, heißt eine eiserne Theaterregel. Strauss’ «Salome» und «Elektra» gelten inzwischen als abendfüllend; eine Ausnahme wie das zwangsverheiratete Verismo-Paar «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» bestätigt nur die Regel. Frankfurts Intendant Bernd Loebe, kein Freund großer Worte, hat sich davon noch nie beirren...
