Nur wer die Sehnsucht kennt ...
Der Saimaa-Ringelrobbe ist Oper rundweg egal. Jedenfalls hat man es noch nicht gesehen, dass dieses seltene Tier während einer Vorstellung erlesenster Stimmen in der nahen Olavsburg den Kopf lauschend aus dem Wasser gereckt hätte, und das, obwohl die mittelalterliche Festung mitten im Saimaa-See liegt, ihrer Heimat. Alle anderen aber kommen von weither, um allsommerlich im Juli den Vorstellungen zu lauschen, die das Städtchen Savonlinna mit seinen Opernfestspielen stemmt.
Nur zehn Prozent der knapp 2100 Gäste eines Abends kommen aus der Umgebung, sehr viele aus dem mehr als 300 Kilometer entfernten Helsinki; der Rest aus ganz Finnland und inzwischen weit darüber hinaus. Bereits 1912 wurden die «Oopperajuhlat» gegründet und gehören damit zu den ersten Festspielen weltweit – und wie so viele andere waren sie immer wieder eine hochpolitische Angelegenheit: Schon zu Beginn kam den Staatsleuten, zwischen der Einführung des Frauenwahlrechts 1907 und der Finnischen Unabhängigkeitserklärung 1917, die Initiative der glühenden Patriotin und berühmten Sängerin Aino Ackté gerade recht.
Sie sah erstmals die Olavsburg und befand sogleich: Das ist der perfekte Ort, um Oper zu spielen, finnische ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Stephan Knies
Unter den Heroen der französischen Barockmusik ist Marc-Antoine Charpentier hierzulande nach wie vor der Unbekannteste. Selbst wenn er nicht durch Ausbildung wie innere Berufung zum Kirchenmeister bestimmt gewesen wäre, hätte es für ihn keine andere Möglichkeit gegeben, großformatige Werke zu verfassen – Jean-Baptiste Lully, der elf Jahre ältere Erfinder der...
Der US-Schlitten musste sein, im Kofferraum ließen sich schließlich wunderbar Leichen verstauen. Dazu Trenchcoats, Zigarren, Gewehre, wahlweise Messer – einst konnte man das Setting der Händel-Inszenierungen an der Bayerischen Staatsoper mühelos vorhersagen. Auch die Variante B: schräge Kostüme in Netzhaut gefährdenden Farben, eine outrierte Personenführung bis zur...
Nicht einmal der Elefant befand sich im Raum. Weil man Markus Hinterhäuser ja in diesem Sommer ständig und überall sehen oder persönlich begegnen konnte. Auf der Hofstallgasse vor den Festspielhäusern, in den Spielstätten selbst, wo der geschasste Intendant naturgemäß nicht seinen Stammplatz einnahm, einmal sogar auf der Mozarteum-Bühne, wo er allen Erwartungen...
