Nur wer die Sehnsucht kennt ...

Dvořák: Rusalka FREIBURG | THEATER

Opernwelt - Logo

Rusalka» boomt. Allein im Südwesten Deutschlands steht Dvořáks populärste Oper in dieser Spielzeit in Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg auf dem Spielplan. Das Thema ist en vogue: Rusalka, die Nixe, die glaubt, im falschen Körper zu leben. Die mit einer anderen Identität aber auch nicht glücklich wird – das klingt nach 21. Jahrhundert. Kateryna Sokolova lässt sich nicht von solchem Zeitgeist leiten.

Die in Wien lebende Regisseurin aus der Ukraine hat am Theater Freiburg schon mit Janáčeks «Schlauem Füchslein» gezeigt, dass sie ganz nah am Kern einer Geschichte sein kann, wenn sie sich auch visuell davon zu entfernen scheint. 

Sokolovas Variante des lyrischen Märchens zitiert den Symbolismus des Fin de Siècle, verweigert aber Eindeutigkeit. Die von Nikolaus Webern auf die Drehbühne gestellten Räume sind düstersurreal, der Gegensatz zwischen Menschen- und Nixenwelt keineswegs offensichtlich. Zum Orchestervorspiel blickt man auf eine Art Nachspiel – zu einer Trauerfeier. Der Prinz ist umgeben von den anderen Protagonisten, doch um wen trauert er? Rusalka? Die ferne, fiktive Geliebte? Oder einfach nur um sich selbst? Am Ende der Aufführung wird deutlich, dass Rusalka die Bitte des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Undine geht

Ein Herz pocht. Sanft, kaum hörbar, in wiegenden Triolen. Es könnte das Herz der Natur sein, aber auch das jener Nymphe, die hier, abseits der Menschenwelt, ein Dasein fristet, welches ihr Glücksmomente nur noch selten beschert; der elegisch-wehmütige Streichergesang in der Ouvertüre von Dvořáks «Rusalka» erzählt geradezu rührend davon. Doch würde die schöne...

Kleiner grüner Baum mit Teufel

Verdis Oper «La forza del destino» dreht sich um die tragische Liebe zwischen Leonora und Don Alvaro. Die verbindende Liebe zwischen beiden erfährt massive Beeinträchtigungen:  durch die Konflikte zwischen den jeweiligen Familien und durch gesellschaftliche Vorurteile. Am 1. April war die Premiere dieser Oper am Staatstheater Kassel. 

Der österreichische Regisseur...

Steile Thesen

Wie war das noch gleich in Ingomar von Kieseritzkys «Mord in der Villa Massimo»? Malt da nicht ein frommer katholischer Künstler unentwegt Monstranzen – bis sich herausstellt, dass der Schlawiner immer nur das weibliche Genital damit gemeint hat? Vergleichbare Heuchelei, aber ohne ironischen Twist, stellt Anita Rutkofsky in ihrer Regie von Janáčeks «Katja Kabanowa»...