Ein Altmeister als Leitstern
Das wäre wohl die perfekte, kinoreife Tellerwäscher-Story: Wie der Bauernbub Johann Joseph Fux aus einem kleinen steirischen Dorf nahe der Hauptstadt Graz aufstieg zum höchsten Amt, das Europas Musikwelt damals zu vergeben hatte, dem Hofkomponisten gleich dreier Habsburger Kaiser. Vieles aus dem Leben dieses «Provinzlers» bleibt im Dunklen.
Man weiß wohl, dass er wahrscheinlich über Vermittlung eines kunstsinnigen Pfarrers 1680, im Alter von 20 Jahren, an der Grazer Jesuitenuniversität aufgenommen war und dabei schon Orgeldienste im Dom versah, dass er drei Jahre später nach Ingolstadt wechselte, um Jura zu studieren. Aber fünf Jahre später verliert sich seine Lebensspur. Bildete er sich in Italien weiter oder in Frankreich? Oder hat er die entsprechenden Musikstile, die er sich quasi mühelos anverwandelte, in Wien gelernt, wo er 1696 die Tochter eines höheren Hofbeamten ehelichte?
Als Organist am Schottenstift wurde er jedenfalls von Kaiser Leopold I. «entdeckt» und ins Hof(musik)leben eingeführt: mit einer List. Der Kaiser legte seinen damals tonangebenden italienischen Musici anonym die Messkomposition eines «Italieners» vor, die diese über die Maßen lobten. So wurde der ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Karl Harb
Vor einem Jahr war es so weit: Im Osten Georgiens präsentierte sich ein neues Musikfestival, das Tsinandali Festival. Benannt ist es nach dem Schauplatz, einem historischen Anwesen, das im frühen 19. Jahrhundert dem georgischen Dichterfürsten (und General der russischen Armee) Alexander Tschawtschawadse als Wohnsitz diente und bis heute ein renommiertes Weingut...
Nachdem der fragwürdige Staatsrechtler Carl Schmitt im Alter seiner Paranoia verfallen war, äußerte er zu einem Bekannten, er müsse seinen berühmten Satz «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», den er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben habe, korrigieren. Nun sage er stattdessen: «Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt.»
Das klingt...
Gleich drei Ausstellungen hat Alexander Kluge in den vergangenen Monaten der Oper gewidmet: an seinem Geburtsort Halberstadt, in Ulm, wo er an der Hochschule für Gestaltung gemeinsam mit Edgar Reitz die Abteilung für Filmgestaltung leitete, und in Stuttgart, wo er bis in die Gegenwart hinein die Entstehung von Inszenierungen verfolgt. Die 400-jährige Geschichte der...
