Ein Altmeister als Leitstern
Das wäre wohl die perfekte, kinoreife Tellerwäscher-Story: Wie der Bauernbub Johann Joseph Fux aus einem kleinen steirischen Dorf nahe der Hauptstadt Graz aufstieg zum höchsten Amt, das Europas Musikwelt damals zu vergeben hatte, dem Hofkomponisten gleich dreier Habsburger Kaiser. Vieles aus dem Leben dieses «Provinzlers» bleibt im Dunklen.
Man weiß wohl, dass er wahrscheinlich über Vermittlung eines kunstsinnigen Pfarrers 1680, im Alter von 20 Jahren, an der Grazer Jesuitenuniversität aufgenommen war und dabei schon Orgeldienste im Dom versah, dass er drei Jahre später nach Ingolstadt wechselte, um Jura zu studieren. Aber fünf Jahre später verliert sich seine Lebensspur. Bildete er sich in Italien weiter oder in Frankreich? Oder hat er die entsprechenden Musikstile, die er sich quasi mühelos anverwandelte, in Wien gelernt, wo er 1696 die Tochter eines höheren Hofbeamten ehelichte?
Als Organist am Schottenstift wurde er jedenfalls von Kaiser Leopold I. «entdeckt» und ins Hof(musik)leben eingeführt: mit einer List. Der Kaiser legte seinen damals tonangebenden italienischen Musici anonym die Messkomposition eines «Italieners» vor, die diese über die Maßen lobten. So wurde der ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Karl Harb
Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den...
Sie könnte die musikalische Gattung der Stunde sein. Weil sie den Menschen in nicht gerade einfachen Zeiten ein bisschen Ablenkung verschaffte, im besten Fall Unterhaltung auf hohem Niveau. Und weil sie immer flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten zu reagieren, sich ihnen anzupassen wusste. Diese Flexibilität zeichneten die Operette und ihre Macher von jeher...
Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte. In Aix...
