Monteverdis musikalische Grammatik
Das Opernhaus in Lyon verfügt, wie andere Häuser auch, über eine jener segensreichen Einrichtungen, die angehenden Sängern Gelegenheit geben, das Repertoire zu lernen und in kleinen Rollen erste Schritte auf der Bühne zu tun. Erstmals hat nun Intendant Serge Dorny eine komplette Neuproduktion von der ersten bis zur letzten Partie nur mit Nachwuchs aus dem «Nouveau Studio de l’Opéra de Lyon» besetzt. Ein Wagnis, für das Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» nicht schlecht geeignet ist.
Das Stück stellt sängerisch überwindbare, stilistisch freilich erhebliche Ansprüche an die Ausführenden, und es hält gleich fünfzehn (Haupt-)Partien bereit, die alle je eigene Glanzpunkte haben. Noch die Nebenrollen bieten Stoff genug, aus dem sich Funken schlagen lassen – etwa in den komischen Partien der alten Schachteln, die als Ammen der künftigen (Poppea) und der noch amtierenden Königin (Octavia) deren «Stutenbeißen» nach Buffo-Art karikieren, wofür Tenor Marc Molomot, der die Arnalta schon einmal in Vancouver gesungen hatte, bei der Premiere spontan Szenenapplaus erntet.
Damit nun aber die Jugend in ihrem schönen Überschwang nicht allzu dick aufträgt oder gar ins Schülertheaterhafte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer kennt sie nicht, die Barcarole aus Jacques Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen»? Eigentlich entstammt sie der Ouvertüre der siebzehn Jahre zuvor entstandenen, für Wien komponierten, dort auch erfolgreich uraufgeführten Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas irreführend «Die Rheinnixen» heißt. Denn um Nixen im Sinne von Undinen geht es in dem...
Von Antonín Dvoˇráks zehn Opern hat es mit «Rusalka» gerade mal eine ins internationale Repertoire geschafft. «Jakobín» («Der Jakobiner») dagegen blieb schon wegen seines ausgeprägt folkloristisch und parodistisch überwölbten ernsten Sujets ein Außenseiter, der auch den Komponisten dramaturgisch nicht überzeugte – weshalb Dvoˇrák Jahre nach der Uraufführung (1889)...
Die Musikgeschichte hält Schubladen bereit, meist für Künstler, die sich auf einem Gebiet besonders profiliert haben. Das ist bequem. Offenbach etwa steckt in der Operetten-Schublade. Und Johann Mattheson – war der überhaupt Komponist? – klemmt im Musikschriftsteller-Fach. Manch Aufschlussreiches erfährt man über das Musikleben im 18. Jahrhundert bei ihm....
