Nicht ohne meine Tochter
Von Friedrich Schiller stammt der schöne Satz, ernst sei das Leben, heiter sei die Kunst. Schon seine Herkunft verrät die Doppeldeutigkeit des Gemeinten, schließlich beschließt er den Prolog zu Schillers dramatischem Gedicht «Wallensteins Lager», einem Stück, dessen Heiterkeit sich in überschaubaren Bahnen hält. Interessant aber ist gerade die eingeschraubte dialektische Volte: Beides, das Leben wie die Kunst, ist sowohl das eine wie, als kapitales Gegenbild, das andere.
Wie beides glückhaft ineinander gedacht werden kann, und wie darüber hinaus musikalische, szenische und dramaturgische Geste zusammenwirken können, belegt Peter Konwitschnys geniale Inszenierung von Richard Wagners «Walküre» an der Oper Dortmund.
Konwitschny und seine Dramaturgin Bettina Bartz haben das Stück sehr genau gelesen, jedes Wort auf seine Bedeutung, sein semantisches Gewicht und auch seine Ambivalenz hin untersucht. Dieses minuziöse Textstudium überführt der Regisseur in eine Geschichte, in der vor allem zwei Topoi (die maßgeblich für das Werk selbst sind) in eine musikalisch untermauerte szenische Realität, die Hegels Herr-Knecht-Dialektik in den Mittelpunkt all dessen rückt, was geschieht: zum einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Im Beethoven-Jahr 2020 hatte René Jacobs mit seiner CD-Neuaufnahme die erste der drei überlieferten Fassungen des «Fidelio», die «Ur-Leonore» von 1805, zur einzig gültigen Version erklärt. Von der Attraktivität des «Ursprungs» offensichtlich verführt, präsentiert er jetzt eine, so der Werbe-Slogan, «noch nie gehörte Deutung» des «Freischütz», die in Teilen...
Zwei zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene italienische Opern mit russischen Sujets sind beim Maggio Musicale Fiorentino herausgekommen und auf DVD veröffentlicht worden. Nach Franco Alfanos «Risurrezione» von 1904 (OW 8/2021) nun also Umberto Giordanos «Siberia», die bei der Premiere an der Mailänder Scala wenige Monate zuvor einen sensationellen Erfolg...
FOKUS ´33» heißt die neue Reihe, mit der die Oper Bonn verstärkt Werke ins Blickfeld rückt, die nach 1933 oder ab 1945 aus den Spielplänen verschwanden. Nach Rolf Liebermanns «Leonore 40/45» und Giacomo Meyerbeers «Ein Feldlager in Schlesien» – immerhin Komponisten, deren Namen man kennt – hatte jetzt die seit 1945 nicht mehr aufgeführte Oper «Li-Tai-Pe» des...
