Überambitioniert

René Jacobs motzt Webers «Freischütz» zu einem Hörspiel-Grusical auf – und scheitert

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Im Beethoven-Jahr 2020 hatte René Jacobs mit seiner CD-Neuaufnahme die erste der drei überlieferten Fassungen des «Fidelio», die «Ur-Leonore» von 1805, zur einzig gültigen Version erklärt. Von der Attraktivität des «Ursprungs» offensichtlich verführt, präsentiert er jetzt eine, so der Werbe-Slogan, «noch nie gehörte Deutung» des «Freischütz», die in Teilen allerdings gar nicht von Weber, sondern von Jacobs selbst stammt.

Weber hatte drei Nummern aus Kinds Libretto nicht vertont – Kunos Lied, die Erklärung, wie es zum Brauch des Probeschusses kam, sowie die Eröffnungsszene, in der Agathe den Eremiten besucht. Dieser ahnt die Gefahr, der Max ausgesetzt ist, und gibt Agathe zum Abschied einen Strauß geweihter Rosen mit. Eben diese Blumen sind es, die am Ende den fehlgeleiteten Schuss auf Kaspar statt auf Agathe lenken. 

In der Überzeugung, dass die Handlung ohne diesen Prolog nicht zu verstehen sei, betätigt Jacobs sich, unter Verwendung Weber’scher Motive, selbst als Komponist. Sehr überzeugend wirkt das Ergebnis nicht. Erst recht deplatziert klingt Kunos Arie, die Jacobs, leicht umgeschrieben, aus Schuberts Singspiel «Des Teufels Lustschloss» übernimmt. Bei so viel Suche nach dem ...

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Opernwelt 7 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Uwe Schweikert

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Das monatliche Opern-Sonett: Der Freischütz

Einst war einmal im grünen Wald der Max,
Der wollte frei’n des Erbförsters Agathen.
Doch länger schon, ihr könnt‘ es sicher raten,
Gab’s selten Fleisch daheim, und wenn: vom Dachs.

Ein Jägerchor macht «Trallala» und rotzt
Den Becher voll mit Bier und Speisebreien.
Da hilft beim Weber Carl nur weiter Schreien,
Auf dass man dann halt weiter säuft – und kotzt.

Der...