Nicht in hellblau...
Ein Schrei aus dem Dunkel. Grässlich, schrill und outriert. Man wartet aufs «Triff noch einmal» Elektras, doch dies hier ist nicht Strauss’ Atridenoper, sondern Manfred Trojahns Weiterdenken, es ist «Orest». Und Klytämnestras Todesschrei zu Beginn stellt nach Aussage des Komponisten eine artifiziell formulierte Erinnerung an Strauss dar.
Mittlerweile wird Orest von seinen Schuldgefühlen fast in den Wahnsinn getrieben. Durch seine Tat hat er die Erinnyen erzürnt, Repräsentantinnen eines untergehenden Matriarchats, die ihn als peinigendes Gewissen verfolgen.
Gott Apollo wiederum – Vertreter der aufstrebenden Väterherrschaft –, der ihn anstiftete, zieht sich in bewährter Politikerart aus der Affäre und lässt ihn mit seinen Skrupeln allein. Die racheblinde Elektra will ihn indes weiter für sich instrumentalisieren: Helena, die ihrem Gatten Menelaos schließlich nach Argos gefolgt ist, und ihre Tochter Hermione sollen die nächsten Opfer sein. Pflichtbewusst mordet Orest Helena, doch Hermiones reiner Blick kuriert ihn; er widersteht Macht, Ruhm und der göttlichen Ordnung, findet sein Selbst und wandert mit Hermione hinaus ins Irgendwo.
Im vorzüglichen Programmbuch erzählt Manfred ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhard Persché
Der Name von Timofej Kuljabin ist im russischen Opernleben vermutlich für immer mit dem Verbot seiner «Tannhäuser»-Inszenierung in Nowosibirsk sowie dem Versuch verbunden, erneut eine Zensur für die Bühne einzuführen. Kuljabin selbst machte nach diesem Vorfall eine glänzende internationale Karriere als Theaterregisseur und präsentierte einige interessante...
Man muss sich die Szene nicht vorstellen, um zu wissen, wie viel Pfeffer auf den Tellern lag – die Namen der Beteiligten genügen: Joachim Kaiser, Marcel Reich-Ranicki, beide Träger des Ludwig-Börne-Preises, in ihrer Mitte, moderierend, August Everding. Drei verblichene Titanen des Kulturbetriebs, versammelt auf einer Bühne im beschaulichen Garmisch-Partenkirchen....
Detlev Glanert
Ein leidenschaftlicher Leser war er immer. Ein Literaturliebhaber, der sich für Randständiges interessiert. Sonahm er sich für seine neue Oper eine kaum bekannte, unvollendete Novelle von Theodor Fontane vor – alsHommage zu dessen 200. Geburtstag: «Oceane». Die Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin wird von GMD Donald Runnicles und Robert Carsen...
