Neue Liturgie
Dass Oper in Film und Fernsehen oft wie eine verarmte Adelige wirkt, die sich einem Parvenü anbietet, mag arrogant klingen – ganz falsch ist die Behauptung nicht. Denn das Atmosphärische des echten «Live» fehlt gerade bei einer Oper wie «Parsifal» – das wird selbst Peter Gelb zugeben müssen, der betriebsame Generalmanager der Met, der mit seinen Live-Übertragungen in weltweit etwa 2000 Kinos Furore macht.
Auch wenn die Met stets einen «Moderator» einsetzt, der Brücken zu einem mit der Oper vielleicht nicht so intimen Publikum bauen soll (im Fall dieses nun auch auf DVD vorliegenden «Parsifal» den als Wagner-Sänger verdienten, aber eher uninspiriert wirkenden Eric Owens). Und selbst wenn die Tontechnik Saltos schlägt und die Bildregie aus der quasi eine neue «Parsifal»-Liturgie (mit hollywoodesken Elementen) beschwörenden Inszenierung des Franco-Kanadiers François Girard Details in High Definition heraushebt, die im Haus so wohl nicht zu bemerken waren. Im Unterschied zu den New Yorkern, die mit ihrer «Met Opera HD live» eine eigene Kunstform kreieren möchten, deklariert sich die Brüsseler Einspielung ehrlicherweise als «Archivdokument, ausgehend von der Aufzeichnung einer einzigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Gerhard Persché
Stimmiger könnte der Übergang vom Wagner- zum Gluck-Jahr kaum geraten als mit einer historisch informierten Aufnahme von Christoph Willibald Glucks «Iphigenie in Aulis» in der 1847 für das Dresdner Hoftheater entstandenen Bearbeitung von Richard Wagner. Eine absolute Novität präsentiert die von Christoph Spering geleitete Produktion freilich nicht. Wagners Fassung...
Mehr als Scharnierwerke zwischen verebbender Romantik und heraufdämmernder Moderne sind das. Und es scheint, als habe mit Blick auf diese Phase der musikalischen Entwicklung Richard Strauss auch beim Lied (wie bei der Oper) den Repertoire-Sieg davongetragen. Dabei erkunden die Mini-Dramen eines Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Othmar Schoeck oder Wilhelm...
Euripides’ und Glucks «Alceste» gegen den Strich gebürstet: Nicht die bekannte Geschichte einer den Tod überwindenden Liebe kommt auf die Bühne des Teatro Real; vielmehr erzählt der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski von der Flucht aus einer schwierigen Ehe in den Tod. Seine Alceste lebt die letzten Jahre der Lady Diana, Princess of Wales, nach. So wird...
