Nebel des Grauens
Londons Nebel war notorisch. Aber er gab der Metropole an der Themse zugleich eine ganz spezielle Note, machte sie angeblich so unvergleichlich, dass nicht mal Flugzeuge abreisen wollten. So zumindest der Aphorismus eines Satirikers. Fog und Smog soll es schon im London des 13. Jahrhunderts gegeben haben; die Emission von schwefelhaltigem Rauch durch Kohleheizungen schuf bis ins 20. Jahrhundert hinein gravierende Probleme, ehe 1956 der «Clean Air Act» zumindest teilweise für Abhilfe sorgte.
Doch war der Londoner Smog als «Nebel des Grauens» stets auch attraktive Bühne für Schauergeschichten. Aus seinen Schwaden tauchten dunkle Schreckgestalten auf, Schattenfiguren mit blitzenden Messern, die den armen Frauenzimmern des horizontalen Gewerbes in Whitechapel an die Eingeweide gingen und unter dem Generalbegriff «Jack the Ripper» subsumiert wurden. Hierzu zählt auch «The Lodger», Untermieter der Familie Bunting in ihrem etwas heruntergekommenen Haus in der Marylebone Road. Als Jack the Ripper hätte er freilich einen ziemlich langen Dienstweg von Marylebone nach Whitechapel. Aber was tut man nicht, wenn einen die (Mord-)Lust packt, und sei es aus religiös-fanatischen Gründen. Nur langsam ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
Die aktuellste Pointe des Stücks kommt am Schluss. Gangsterboss Macheath, genannt Macky Messer, zündet damit beinahe einen virtuellen Sprengsatz: «Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?» Fast 88 Jahre nach der Uraufführung der «Dreigroschenoper» trifft die Behauptung der Herren Brecht und Weill, ein Bankraub sei ein Fingerschnippen gegen...
In «Andrea Chénier», seiner erfolgreichsten Oper, widmete sich Umberto Giordano wahrlich einem würdigen Gegenstand: Ein Dichter und politischer Aktivist gerät zwischen die Mahlsteine des Robespierre’schen Terrors und wird schließlich guillotiniert. Nicht nur die musikalisch einprägsame Faktur des Werkes – insbesondere der Titelpartie – und Illicas starkes Libretto...
An einem der Twin-Betten lehnt ein Rucksack, Radames’ Uniformjacke hängt an der Garderobe. Das Vorhangmuster wiederholt sich auf den Badezimmerkacheln. Hinterm Balkongeländer erstreckt sich eine Betonwüste; manchmal geht Amneris draußen in der Hitze eine rauchen. Eine ziemlich armselige Absteige, dieses Hotel: Radames’ Leben riecht nach Sackgasse (Ausstattung:...
