Neapel: Vulkanisch

Porpora: Gli orti esperidi (Neapel / Villa Pignatelli Cortes)

Opernwelt - Logo

Nicola Antonio Porpora komponierte die Serenade «Gli orti esperidi» 1721 als Geburtstagsgruß an Kaiserin Elisabeth Christine von Wolfenbüttel, deren Gatte Karl VI. u. a. über das Königreich Neapel herrschte. Die Geschichte dazu lieferte der blutjunge Librettist Pietro Metastasio: In Begleitung ihres Geliebten Adonis steigt Venus hinab in den Garten der Hesperiden, um einen goldenen Apfel zu pflücken, der der Kaiserin den sehnsüchtig erwarteten Thronfolger bescheren soll.

Kaum treten die Nymphe Aigle, ihr Verlobter Palaimon sowie Venus’ eifersüchtiger Geliebter (und Adonis’ Nebenbuhler) Mars auf den Plan, kommt es zu ­einer Reihe von Missverständnissen und Eifersüchteleien, die sich freilich am Schluss plötzlich und beiläufig unter Lobeshymnen auf das Regentenpaar auflösen – verbunden mit dem Wunsch, der Habsburger Adler möge alsbald das Morgenland vom Schwarzen Meer bis zum Ganges erobern. Nach der Uraufführung in Neapels Palazzo Reale am 28. August 1721 fand Porporas Partitur einige Verbreitung und gelangte 1730 sogar bis nach Hamburg.

Für die aktuelle halbszenische Wiederbelebung rekrutierte das neapolitanische Centro Studi Pietà de’ Turchini gemeinsam mit der in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Carlo Vitali

Weitere Beiträge
Mit Schaumschürzchen

Halbnackte Steinstatuen im Garten bekamen ein Schamschürzchen, christliche Kreuze wurden durch neutrale Wappenschilde ersetzt, und ein Domestik durfte nicht mehr betrunken sein. Aber sonst hätte der 1988 verstorbene Regisseur Jean-Pierre Ponnelle seine zu Hause längst abgesetzte Inszenierung von Mozarts «Hochzeit des Figaro» aus dem Jahr 1972 auch im Oman sofort...

Barmherziger Rüpel

Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...

Over the rainbow

I.

Gleich zu Beginn, wenn das tiefe «Es» aus dem Orchestergraben brummt, hebt sich der eiserne Vorhang. Im Halbdunkel sehen wir ineinander geknäulte Menschenleiber, hundert oder hundertfünfzig mögen es wohl sein. Ein Spiegel, der aus dem Schnürboden herunterragt, lässt ihre Zahl ins Unendliche wachsen. Je mehr sich der Es-Dur Dreiklang auffaltet, desto mehr faltet...