Blaubart, Mario und das Volk
Man wollte es nach der Wende sogar abreißen. Seit 2007 war es geschlossen, nun wurde das Erkel Theater als zweites Haus der Ungarischen Staatsoper wiedereröffnet. In neuem Glanz, könnte man sagen, wenn das «Lifting» des in seiner 100-jährigen Geschichte mehrfach umgebauten Hauses nicht auch diesmal karg ausgefallen wäre. Als Ausweichquartier für die Staatsoper, deren 130 Jahre alter Prunkbau einer Generalsanierung bedarf, wird es allemal nützlich sein.
Ob das Haus sich eines Tages auch wieder als eine «Volksoper» bewährt, die verlorenes Publikum mit niedrigen Preisen locken soll, steht in den Sternen.
Dabei hieß das 1911 im Jugendstil errichtete Privattheater tatsächlich zunächst «Népopera» (Volksoper). Ein finanzieller Erfolg war das Unternehmen schon damals nicht, trotz bedeutender Ereignisse wie der ungarischen Erstaufführung von Wagners «Parsifal» am 1. Januar 1914 (mit Georg Anthes in der Titelrolle und dem 25 Jahre jungen Fritz Reiner am Dirigentenpult). Obwohl es ein großartiges Sängerensemble gab, war der mit 3200 (heute beinahe 2000) Plätzen überdimensionierte Saal allenfalls ausverkauft, wenn Weltstars in Budapest gastierten. Das änderte sich auch später nicht, als das ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Máté Mesterházi
Da ist schon jemand. Ein junger Mann in schwarzem Wams und weißer Pluderhose. Irre Augen, bleiches Gesicht, das rotgelbe Haar fällt in wirren Strähnen. Wie ein gehetztes Tier kauert er da, bebend vor Angst. Zur Strecke gebracht im staubgrauen Verlies, das Stefan Heinrichs auf die kleine Bühne des Lübecker Theaters gebaut hat. Während die Zuschauer noch nach ihren...
Wien, Domgasse 5. Im ersten Stock die Wohnung, in der Mozart während der Arbeit am «Figaro» wohnte. Es sind schöne stille Räume, angefüllt mit gefrorener Zeit, und der Besucher fragt sich, ob das schrille Lachen, mit dem Tom Hulce als Faun Amadeus in Milos Formans Film nicht nur F. Murray Abrahams Salieri, sondern auch den Zuschauer nervte, dort tatsächlich je...
Seit der Uraufführung in Bremen 1999 ist Detlev Glanerts Kammeroper über den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer, dem Financier des württembergischen Dandy-Herzogs Karl Alexander, mehrfach nachgespielt worden. Zuletzt war das im frühen 18. Jahrhundert angesiedelte, virtuos mit Mustern und Formen der Barockmusik jonglierende Stück in Trier (siehe OW 7/2010) sowie...
