Naiv im besten Sinne
Vielseitigkeit oder Risikofreude sind auf dem gegenwärtigen Sängermarkt selten zu finden. Intendanten und Besetzungsbüros können sich immer weniger Experimente leisten. Das heißt: Wer gut ist in einer Rolle, wird immer wieder für diese Rolle engagiert. Für die Spielpläne mag das ein Sicherheitsfaktor sein, für die Stimmen bedeutet es eine Gefahr. Denn die menschliche Stimme besteht aus einem komplexen Muskelgeflecht, und Muskeln leben davon, dass sie vielseitig eingesetzt werden. Gleichförmigkeit führt zu Überbeanspruchung – und Verschleiß.
Was klingt wie eine allgemeine Einleitung, hat direkt mit der «CD des Monats» zu tun. Als Michaela Schuster um das Jahr 2000 herum im Stuttgarter «Ring» die Fricka sang und einem größeren Publikum bekannt wurde, da staunte man über das reiche, ungewöhnliche Timbre dieses Mezzosoprans, über seinen mühelosen Umfang und seine natürliche Ausdruckskraft. Es bestand kein Zweifel daran, dass diese Stimme für dramatischere Fächer prädestiniert war. So kam es auch. Michaela Schuster sang schon bald Kundry, Ortrud, Eboli, Klytämnestra und sogar die Amme in «Die Frau ohne Schatten», so ziemlich das Schwerste, was einem Komponisten für dramatischen Mezzo ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 45
von Stephan Mösch
Vorn, ganz nah am Wasser des Bodensees, ein in Blau getränkter Raum. Das Refugium des Calaf, zugleich aber auch die Arbeitsklause des Komponisten. Auf dem Klavier windbewegte Noten. Sinnend hockt er da und betätigt eine Spieluhr, wie auch Giacomo Puccini eine besaß. Es ertönt eine Melodie, die nachher auch in dessen letzter, unvollendeter Oper «Turandot» erklingt....
Ob das so eine gute Idee war? Seit die Freiluftbühne der Schlossfestspiele Schwerin direkt aufs Schloss ausgerichtet ist, hat man zwar den Blick auf eine prächtige Architekturkulisse und den weiten See. Doch die Akteure wirken zwergenhaft. Ständig will das Auge über das Turm-und-Zinnen-Gebirge der Schloss-Silhouette schweifen. Und dieser Versuchung erliegt es...
Wie ein Meeresarm liegt er da, der Sankt-Lorenz-Strom, mehr als ein Kilometer sind es von Ufer zu Ufer. Ein erhabener Anblick. Und ein Gegenbild zu den monotonen Wald- und Agrarlandschaften, die der Highway von Montréal durchmisst. Erst auf dem Pont Pierre-Laporte wird uns so richtig bewusst, dass Québec am großen Wasser liegt: schon vor den Toren der Stadt ein...
