Nackte Wahrheiten
In Essen sprach Barrie Kosky nur das Schlusswort zur dortigen «Ring»-Produktion (die sich vier Regisseure teilten), in Hannover gehörte die Geschichte ihm ganz allein. Als er in Hannover antrat, hatte er in Essen schon unterschrieben – und versprach, zwei verschiedene Sichtweisen auf der Götter Ende zu präsentieren. Daraus wurde dann nichts, aber das muss allenfalls Reisekritiker grämen, die sich gern überraschen lassen. Den Hannoveranern kann es egal sein, weil sie den Vorteil haben, schon zu wissen, worum es geht – und mit welchem Personal.
Was sich den Opernfreunden in Essen vielleicht nicht erschlossen hat (Alberich als Judenkarikatur, die Rheintöchter als Varietégirls und eine greise, nackte Erda), das kannten die hannoverschen Wagnerianer schon. Weshalb sich hier der «Ring» dann doch rundete.
Dass Kosky den «höchsten Helden» nicht recht leiden kann, hatte schon sein «Siegfried» gezeigt – an Robert Künzlis strahlkräftiger, unermüdlicher Interpretation kann es nicht gelegen haben. Auch in Hannover gab es zur «Was-bisher-geschah»-Nornenszene Klaus Grünbergs Trickfilm zu sehen, in dem aus der Weltesche ein Brokkolistrunk wurde. Dass der Schicksalsfaden hier ein Zelluloidband ist, ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Rainer Wagner
Herr Lucic, Inszenierungen des «Macbeth» spielen häufig in einer Ostblock-Diktatur. Sie sind in einer Ostblock-Diktatur groß geworden. Sehen Sie auch diese Parallele?
Ich würde das nicht vergleichen. Für mich ist Macbeth einfach eine verrückte, blutige Figur, die im Grund ganz unsicher ist. Ich sehe ihn auch nicht als zutiefst bösen Menschen. Für mich erklärt sich...
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