Nachlese
Dass Jacques Offenbach gleichzeitig mit «Les contes d’Hoffmann», an einer abendfüllenden Operette, «La belle Lurette», schrieb, die drei Wochen nach seinem Tod am Pariser Théâtre de la Renaissance uraufgeführt wurde, dürfte wenig bekannt sein, denn das Stück hatte nicht mehr als einen Achtungserfolg, geriet nach der Premiere sehr schnell in Vergessenheit und wurde seither auch in Frankreich kaum noch aufgeführt.
Das kleine Schweizer Label Relief hat mit der Veröffentlichung einer Leipziger Rundfunkaufnahme von 1958 einen sehr verdienstvollen Beitrag zum Offenbach-Jubiläum nachgereicht – noch in Mono, aber bester Tonqualität. Sie erinnert nebenbei eindrucksvoll an die von Leipzig ausgehende Offenbach-Renaissance in der DDR, die mit Walter Felsensteins legendärer «Ritter Blaubart»-Inszenierung ihren Höhepunkt fand.
Die Operette spielt im Ancien Régime. Louis V. will die kleine Wäscherin Lurette als Nachfolgerin von Madame Pompadour zu seiner Favoritin machen und nötigt den Herzog von Marly, sie zuvor zu ehelichen, um ihr einen standesgemäßen Titel zu verschaffen. Doch sie durchschaut das Spiel und setzt resolut und pfiffig ihre eigenen Interessen durch. Das historische Ambiente und ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Ekkehard Pluta
Er hat sich am Kopfe der Treppe aufgebaut. Herrisch schwillt die nackte Brust, schwingt die hüftlange Mähne. Don Giovanni reckt die Hüfte vor, sichtlich stolz auf den Inhalt seiner buntbedruckten Hose. Dann tritt er ab, gefolgt von reihenweise reizschwarzgekleideten Pornohäschen und Stricherboys.
So charakterisiert in Helsinki Jussi Nikkilä den Titelschurken...
Bevor der Betrieb aufgrund der Corona-Krise endgültig zum Erliegen kommt, weil auch die Probenarbeit eingestellt werden muss, kommt es am Theater Krefeld noch zu einer «Geisterpremiere»: Antonin Dvořáks Märchenoper «Rusalka» in der Regie von Ansgar Weigner ist nur für die Presse geöffnet. Die darf aber zwei Tage nach der Geisterpremiere von Aubers «Die Stumme von...
Wie das neonleuchtende Logo einer Konzernzentrale prangt das «W» an jenem die Rückwand der Bühne bildenden Gerüst, von dem der aus der Handlung abgetretene, nunmehr stumme Wotan-Wanderer die Vollendung seiner Götterdämmerung distanziert, resigniert und doch interessiert betrachtet. Der Buchstabe war das Signet der vorangegangenen drei Teile der Tetralogie. Er...
