Nach neunundsiebzig Jahren: «Die ägyptische Helena» an der Met
Zum Kernrepertoire der Met zählt «Die ägyptische Helena» nicht gerade. Man muss bis 1928 zurückgehen, um auf die letzte Aufführung zu stoßen. In der Kritik hagelte es damals Verrisse, und an dieser Reserve hat sich in New York bis heute, da das Stück für Deborah Voigt wieder ausgegraben wurde, nichts geändert. Voigt ist eine Helena, die einem alten Film entstiegen zu sein scheint, ihr Sopran wie geschaffen für diese Strauss’sche Partitur: Die Stimme überstrahlt den symphonischen Orchestersatz, üppig in der Höhe, klar und stabil in der Tiefe, geschmeidig bei den Übergängen.
Den Höhepunkt ihrer vokalen Eloquenz setzte Voigt mit einer zarten Rhapsodie aus dem Duett mit Menelas im ersten Akt («Bei jener Nacht»).
Wie oft bei Strauss, hat die Primadonna harte Konkurrenz von einem zweiten Sopran – hier in Gestalt von Diana Damrau als ägyptischer Zauberin Aithra. Selbst von Männerproblemen bedrängt, hat Aithra Verständnis für Helenas Ehesorgen. Diana Damrau ließ sich von niemandem auf die Plätze verweisen – Ironie, Groll und Humor der Figur kamen voll zur Geltung: feine lyrische Linien, eine elegante Phrasierung, eine makellose Intonation und eine in allen Nuancen schillernde ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am 8. Februar 1891 sang der achtzehn Jahre junge Fjodor Iwanowitsch Schaljapin in der Nähe seiner Geburtsstadt Kasan die zweite Rolle seines noch jungen Sängerlebens: den Ferrando in Verdis «Trovatore». In Kasan, heute eine 1,1-Millionen-Stadt siebenhundert Kilometer östlich von Moskau, war der russische Bassist am 13. Februar 1873 zur Welt gekommen. Da lag es...
Der Boom historischer Opernaufnahmen hat in den letzten Jahren zu einer Inflation auf dem Billigpreissektor geführt. Bedenkenlos und unbesehen (bzw. ungehört) wurde alles auf CD gepresst, was älter als fünfzig Jahre und mithin nicht mehr lizenzpflichtig war. Dabei kamen durchaus einige Fundstücke ans Licht, aber daneben auch viel Ramsch, oft aus dubiosen Quellen...
Ist es Zufall, Schicksal, gar Fügung? Jedenfalls ist da schon wieder einer mit diesem Vornamen: Sebastian. Kein Heiliger, gewiss nicht, aber das sind auch die beiden anderen Schauspiel-Regisseure nicht, die dabei sind, das Musiktheater zu revolutionieren, Sebastian Baumgarten und Sebastian Nübling. Und fast scheint es, als ob die Gattung Oper, soeben vierhundert...
