Magisches Märchenmysterium
Seit der Wiener Uraufführung 1919 ist «Die Frau ohne Schatten» ein Schmerzenskind des Musiktheaters. Von seinen beiden Autoren maßlos selbstvermessen als «gemeinsames Hauptwerk» geplant, musste das Stück fast zwangsläufig an seiner eigenen Hypertrophie, dem literarisch überfrachteten Libretto von Hofmannsthal und der sinfonisch-illustrativen Musik von Strauss, scheitern. Und doch scheint es uns mehr denn je sagen zu wollen, anders ist das gegenwärtig auffällige Interesse an dieser letzten romantischen Oper nicht zu erklären.
Regisseur Gregor Horres und seine Ausstatterin Sandra Meurer haben für ihre Mannheimer Inszenierung einen Schlüssel gefunden, der die kopflastige Symbolik der synkretistischen Märchen- und Zauberoper ganz der Imaginationskraft der Musik überlässt und das Spiel so einfach wie möglich präsentiert, ohne die verschlungenen Geschicke der beiden ungleichen Paare darum im Mindesten ins Banale abrutschen zu lassen. Sandra Meurers visuell klar strukturierte Szene, eine vom Himmelsrahmen überwölbte quadratische Spielfläche mit einigen wenigen Versatzstücken – Bett, Türsturz, Tisch, Stehpult –, siedelt das Stück in der Entstehungszeit an, auf die auch die Kostüme ...
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Für die gesamte Musik- und Theaterwelt stand fest, dass 1976, zur Zentenarfeier der Bayreuther Festspielgründung wie der Uraufführung des «Ring des Nibelungen», eine Neuinterpretation der Tetralogie anstand. Etwas Sensationelles musste her, Zeitgenossenschaft war gefragt; doch schon witterten die Uralt-Wagnerianer, den Schock von Götz Friedrichs...
Der Vorwurf, dass man in eine Dichtung etwas «hineingelegt» hätte, sei ihr stärkstes Lob, ätzte Karl Kraus. Denn nur in Dramen, deren Boden knapp unter ihrem Deckel liege, ließe sich beim besten Willen nichts hineinlegen. Er schrieb dies freilich nicht über Händels «Giulio Cesare in Egitto», sondern 1906 zu Wedekinds Lulu-Stücken. Damals war Händel ja auch kein...
Zurück vom Ring!», heißt es im «Ring». Doch die Mode, in beschaulichen Kleinstädten Riesenopern zu präsentieren, ist aus der Gegenwart kaum mehr wegzudenken. Seit Christine Mielitz 2001 ihren Meininger Vier-Tage-«Ring» für den ultimativen Presserummel nutzte, vermelden zahlreiche Stadttheater Heißhunger auf die Tetralogie. Nach Münster, Weimar, Karlsruhe,...
