Auf Entzug

Tomáš Netopil und Tatjana Gürbaca suchen am Aalto-Musiktheater in Essen die Droge «Lohengrin» zu entgiften

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Aus dem Nichts sollte es kommen, das langsame A-Dur-Vorspiel. Gleichsam aus vorzeitlicher Stille. Was die geteilten Streicher in den ersten «Lohengrin»-Takten zu spielen haben, scheint nicht von dieser Welt. Ein irisierendes Klanggespinst entsteht da, ein flirrendes Leuchten, magisch, mysteriös, von unwirklicher Schönheit. Musik, die auf Verführung zielt, uns entführen will in eine Sphäre des Numinosen.

Indes, es ist eine Wunderreise, die mit einem Tod ohne Verklärung endet: «Ach!» – Elsas letztes Wort, ihr finaler Verzweiflungsruf, bevor sie «entseelt» zu Boden gleitet, vom «Weh» des Königs und des Chores in massigem d-Moll übertönt, bricht den Traum. Möglich, dass Tomáš Netopil, der seit 2013 amtierende Generalmusikdirektor des Aalto Musiktheaters, an seinem Haus den Anfang von diesem Fanal her denkt, wenn er ihm mit den Essener Philharmonikern die Hintergrundstrahlung nimmt, eben jenes Licht «des blauen Himmelsäthers» herunterdimmt, das Richard Wagner in seinen programmatischen Erläuterungen zu «Lohengrin» beschwört. Nüchtern, beinahe geschäftig steigt das Orchester ein, als gelte es, ein obskures Objekt zu vermessen. Und so geht es weiter: handfest, analytisch, transparent, ...

 

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Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
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