Leeranzeige
Die Offenbach’sche Operette, so Karl Kraus, sei die Apotheose «einer verantwortungslosen Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt». Kraus konnte nicht mit Armin Petras rechnen, der «Orpheus in der Unterwelt» mit einem Einfall rahmt, der der beißenden Satire auf die Bourgeoisie im Kaiserreich des dritten Napoléon die Zähne zieht, bevor sie noch recht begonnen hat.
Stummfilmszenen – Petras datiert sie auf 1871, das Jahr der Pariser Commune – dichten Eurydike eine Vergangenheit als Fabrikarbeiterin an, aus der sie der Musikprofessor Orpheus befreit. Später entflieht sie aus ihrer Ehelangweile zum Untergrundchef Pluto. Anders als Frank Castorf in seiner «Faust»-Inszenierung (siehe OW 12/2016), die die Multiperspektive kontrastierender Zeiten und Bildwelten bis zum Schluss virtuos durchhält, schlägt Petras aus Eurydikes Emanzipationsgeschichte keine Funken, sondern vergisst sie sofort wieder und gibt sich mit einem Spiel zufrieden, das, je länger der Abend dauert, sich desto öder als biedere Ausstattungsklamotte entpuppt.
Ironie, Doppelbödigkeit, Sarkasmus, all die funkelnden Perlen von Offenbachs Humor und seiner Musik, die ...
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In der entscheidenden Szene schweigt das Orchester. Die Pariser Abendgesellschaft auf der Bühne wird von einem Pianisten unterhalten, der sich als Nachfolger Chopins versteht und in der Tat etwas Nocturne-artiges auf die Tasten zaubert – langsam, elegisch in H-Dur beginnend, dann vollgriffig virtuos ausholend. Wie sich später herausstellt, soll er ein Spion...
In einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» hat Barrie Kosky bereits 2013, kurz nach seinem Amtsantritt als Intendant der Komischen Oper, den Dreisatz verraten, mit dem er die in Deutschland so schlecht beleumundete Operette zu neuem Leben erwecken will: «Du musst den Stil lieben, du musst die Stücke mit Stars besetzen, und du musst dich darauf ...
Der Winter zieht hier nicht als Bedrohung ein. Groß sind die «Flocken», die aus schwarzen, aufgerissenen Säcken quellen, rund, weiß und leicht. Ein Bällebad, in dem man untergehen, wieder auftauchen und sich treiben lassen kann. Es ist ein poetisches Spiel mit Chiffren und Symbolen, das Regisseur Torsten Fischer da treibt, mehr Shakespeare als Schenkelklopfer....
