Etikettenschwindel

Paisiellos «Fedra» aus Catania und ein verunglücktes Cimarosa-Recital

Opernwelt - Logo

Von Giovanni Paisiellos fast einhundert Opern hat nur die Buffa «Il barbiere di Siviglia» auf einem Nischenplatz überlebt. Catania hat im Januar 2016 die späte, 1788 für Neapel geschriebene Seria «Fedra» ausgegraben. Ein Mitschnitt ist bei dem auf Raritäten spezialisierten italienischen Label Dynamic erschienen.

Es handelt sich aber keinesfalls, wie das CD-Cover behauptet, um eine Weltersteinspielung – Angelo Questa hat das Stück bereits 1958 für den italienischen Rundfunk aufgenommen, der Mitschnitt wurde in den 1990er-Jahren auf CD veröffentlicht und findet sich seit Langem auf YouTube.

«Fedra» ist ein für die spätneapolitanische Seria typisches Werk des Übergangs – mit Chören, zeremonieller Instrumentalmusik und (hier gestrichenen) Tänzen in der Traetta und Gluck beerbenden französischen Tradition. Mit Ausnahme des Liebesduetts zwischen Aricia und Ippolito verwendet Paisiello keine Ensembles. Aber mit dem Unterweltauftritt der Furien, einer Sturmszene und dem Erscheinen eines Seeungeheuers kennt die Handlung spektakuläre theatralische Effekte, die der Komponist sich bei seinen Vorbildern abschauen konnte. Man denkt an Mozarts nur wenige Jahre zuvor entstandenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Luftballons und Zipfelmützen

«Wie war zu Cölln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem! Denn, war man faul, man legte sich hin auf die Bank und pflegte sich.» So eröffnete August Kopisch sein bekanntestes Werk, das Gedicht «Die Heinzelmännchen zu Köln». Dabei hatte Kopisch wirklich Interessanteres vorzuweisen: Landschaftsgemälde etwa von seinem mehrjährigen Aufenthalt in Neapel, ein...

Diskrete Erotik

Auf deutschen Bühnen begegnet man Maurice Ravels einaktiger musikalischer Komödie «L’heure espagnole» (1911) vergleichsweise selten, auf Tonträgern ist sie jedoch eindrucksvoll repräsentiert. Eine erste Gesamtaufnahme, die vom Komponisten selbst beaufsichtigt wurde, erschien bereits 1929, nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen sich Dirigenten-Koryphäen wie René...

Polonaise Bolognese

Je brenzliger und explosiver sich das Verhältnis zwischen heutigem Okzident und Orient darstellt, desto naiver muten historisierende, politisch abstrahierende Versuche an, den Dialog der Kulturen musikalisch abzubilden. Längst nicht für alle Beispiele gilt dieser Vorbehalt – Ausnahmen sind zum Beispiel Jordi Savall und Yo-Yo Ma. Die hier zu besprechenden CDs...