Denunziation willkommen: Szene aus der Innsbrucker «Gioconda»; Foto: Theater/Rupert Larl
Muskelspiele
Wer solche Untertanen hat, kann den Staatsapparat klein halten: Privatspitzel allüberall, fast an jeder Kanalecke. Und fürs besonders perfide Denunziantentum hielt das alte Venedig «Löwenmäuler» bereit, kunstfertig gestaltete Briefkästen, in denen die Beschuldigungen hinterlegt werden konnten, am besten mit Absender. Ganz prosaisch sind diese bocche di leone in diesem Fall allerdings aufgereiht und -getürmt zur Schubladenwand, aus der sich gierige Hände strecken – was eben passiert, wenn sich Historisches der Aktualisierungskur unterziehen muss.
Leicht ließe sich bei «La Gioconda», Amilcare Ponchiellis venezianischem Gegenstück zu Puccinis «Tosca», die Checkliste des Totalitarismus abhaken. Und anfangs sieht es auf der Bühne des Tiroler Landestheaters auch so aus, als werde eine weitere Variation von DDR, China & Co. durchgespielt. Doch das Regie-Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka, zudem verantwortlich für die Ausstattung, bleibt nicht beim Nachbuchstabieren ostalgischer Interieurs. Während der großen Tutti-Momente im holzfurnierten Gerichtssaal, über den Inquisitionschef Alvise als sexgeiler Richter herrscht, entfremden sich Straßensängerin Gioconda und Revoluzzer Enzo ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel
Zwei Phänomene überraschen den Verfasser dieser Zeilen, wann immer Rossinis «Cenerentola» auf dem Programm steht. Da wäre zunächst die Genialität, mit der der Komponist die musikalischen Formen seiner Zeit auszuschöpfen weiß. Evident wird sie nicht nur in der Art, wie sich Angelinas volksliedhafte Kavatine «Una volta c’era un re» aus dem Belcanto-Gefüge...
«Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied – ein garstig Lied!» Das Wort des Mephisto aus Goethes «Faust» diente als Keule, die gegen Hanns Eisler geschwungen wurde, den Komponisten agitatorischer Lieder und insbesondere der DDR-Nationalhymne. Der Schönberg-Schüler hatte anno 1935 verkündet, «das Kampflied» sei das «einzige Volkslied des Proletariats».
Für ihre...
«Donizetti200» heißt das Projekt, das die zweite Ausgabe des neuen Vorzeigefestivals der Stadt Bergamo unter der gemeinschaftlichen Ägide des Künstlerischen Leiters Francesco Micheli und der Fondazione Donizetti ins Leben gerufen hat. Sein Konzept: Bis zum Jahr 2044 soll alljährlich eine Oper des Komponisten zur Aufführung gelangen. Ein ambitioniertes Unterfangen,...
