Johanna Rudström (Angelina) und Ole Aleksander Bang (Don Ramiro); Foto: Theater/Sören Vilks
Wunderkammer
Zwei Phänomene überraschen den Verfasser dieser Zeilen, wann immer Rossinis «Cenerentola» auf dem Programm steht. Da wäre zunächst die Genialität, mit der der Komponist die musikalischen Formen seiner Zeit auszuschöpfen weiß. Evident wird sie nicht nur in der Art, wie sich Angelinas volksliedhafte Kavatine «Una volta c’era un re» aus dem Belcanto-Gefüge herausschält und die gesamte Mechanik der Oper gleichsam unter moralischen Verdacht stellt.
Sie offenbart sich auch in der Plausibilität, mit der sich die Ensembles und formbewussten Finalszenen als Kommentare zum Illusionstheater lesen lassen – was umso mehr frappiert, wenn man bedenkt, dass Rossini die Partitur in nur drei Wochen anfertigte. Zum Zweiten erstaunt die Modernität Angelinas: Allein die Entschlossenheit, mit der sie darauf drängt, dass ihr Prinzengatte in spe ihre wahre Identität erkenne, unterscheidet sie himmelweit von jener gedemütigten Aschenputtel-Figur, die Walt Disney – und vor ihm die Gebrüder Grimm – gezeichnet haben.
Es sind vor allem solche Facetten, die in der von Lindy Hume inszenierten und von Jean-Christophe Spinosi musikalisch geleiteten Stockholmer Neudeutung (eine Kooperation mit der Opera ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Guy Dammann
«Donizetti200» heißt das Projekt, das die zweite Ausgabe des neuen Vorzeigefestivals der Stadt Bergamo unter der gemeinschaftlichen Ägide des Künstlerischen Leiters Francesco Micheli und der Fondazione Donizetti ins Leben gerufen hat. Sein Konzept: Bis zum Jahr 2044 soll alljährlich eine Oper des Komponisten zur Aufführung gelangen. Ein ambitioniertes Unterfangen,...
Man wusste es. Und staunt dann doch. Erstmals widmet Philippe Jaroussky einem seiner erklärten Lieblingskomponisten ein ganzes Album. Auf der Bühne hat der französische Countertenor schon etliche Händel-Partien verkörpert, von Rinaldo und Serse über Ruggiero in «Alcina» bis zu Didymus im Oratorium «Teodora». Nun aber ist er – an der Spitze des von ihm selbst 2002...
59. Jahrgang, Nr 1
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