Johanna Rudström (Angelina) und Ole Aleksander Bang (Don Ramiro); Foto: Theater/Sören Vilks
Wunderkammer
Zwei Phänomene überraschen den Verfasser dieser Zeilen, wann immer Rossinis «Cenerentola» auf dem Programm steht. Da wäre zunächst die Genialität, mit der der Komponist die musikalischen Formen seiner Zeit auszuschöpfen weiß. Evident wird sie nicht nur in der Art, wie sich Angelinas volksliedhafte Kavatine «Una volta c’era un re» aus dem Belcanto-Gefüge herausschält und die gesamte Mechanik der Oper gleichsam unter moralischen Verdacht stellt.
Sie offenbart sich auch in der Plausibilität, mit der sich die Ensembles und formbewussten Finalszenen als Kommentare zum Illusionstheater lesen lassen – was umso mehr frappiert, wenn man bedenkt, dass Rossini die Partitur in nur drei Wochen anfertigte. Zum Zweiten erstaunt die Modernität Angelinas: Allein die Entschlossenheit, mit der sie darauf drängt, dass ihr Prinzengatte in spe ihre wahre Identität erkenne, unterscheidet sie himmelweit von jener gedemütigten Aschenputtel-Figur, die Walt Disney – und vor ihm die Gebrüder Grimm – gezeichnet haben.
Es sind vor allem solche Facetten, die in der von Lindy Hume inszenierten und von Jean-Christophe Spinosi musikalisch geleiteten Stockholmer Neudeutung (eine Kooperation mit der Opera ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Guy Dammann
«Warten auf Stradella» heißt Salvatore Sciarrinos neue Oper «Ti vedo, ti sento, mi perdo» im Untertitel. Der Komponist Alessandro Stradella (1639-1682) wird, wie Becketts Godot, sehnlichst erwartet, taucht aber nie auf. Stattdessen kommt ein Bote mit der Nachricht von seiner Ermordung. Die knapp zwei Stunden Spieldauer bis dahin vertreibt sich die...
«Seit er in die Menschheit getreten ist, weiß sie erst richtig, was ein Lied ist», schrieb Egon Friedell in seiner «Kulturgeschichte der Neuzeit» über Franz Schubert. Eine Flut neuer Aufnahmen bewirkt, dass wir daran ständig erinnert werden. Auffällig, dass sich unter den (erfolgreichen) Interpreten immer mehr Tenöre finden: Julian Prégardien und Daniel Behle,...
Gelobter Westen? Das letzte Refugium des American Dream? Aus pazifischer Perspektive ist der dauertwitternde Poltergeist im Weißen Haus weit weg. Keine Spur von Depression angesichts der politischen Großwetterlage. «Ich bin froh, in Kalifornien zu leben», sagt John Adams nach der Uraufführung seiner neunten Arbeit für die Musiktheaterbühne – eines Stücks, das eine...
