Musik ist eine geduldige Kunst

Thomas Hengelbrock lässt Wagners Parsifal in Essen auf historischen Instrumenten spielen

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Die Aufführung begann um fünf nach vier am Nachmittag. Als nach dem ersten Akt der Applaus einsetzte, war es fünfundreißig Minuten nach fünf, ohne dass unsere Uhr ihren Geist aufgegeben hätte. Das ist natürlich keine präzise Zeitmessung, aber doch eine verblüffende Erkenntnis und sehr wahrscheinlich ein Rekord. Schneller ist der Gral noch nie enthüllt worden – nicht nur der Gral als Kelch, sondern auch Parsifal als Gral von Wagners Gesamtkunstwerk. Vor dem zweiten Akt waren wir ins Kollegengespräch vertieft und haben den Blick auf die Uhr verpasst.

Vor dem dritten Akt war er dafür umso genauer: Sieben Minuten vor acht begann es, Schluss war 62 Minuten später. Dieser dritte Akt mit seiner Erlösungsgloriole geht, wie man weiß, auch in 80 Minuten. Und der erste Akt kann im Extremfall zwei Stunden dauern.

Ist das alles wichtig? Ist es nicht stupide und bloß ein alter Sport alternder Wagnerianer, beim Parsifal die Aktlängen zu messen? Kommt es nicht viel mehr auf die Proportionen der Tempi unter­einander an als auf die Gesamtdauer? Klar kommt es das. Aber man braucht die Frage nur ein bisschen zu drehen, und schon macht sie Sinn. Was ist das für eine Musik, die insgesamt fünf Stunden ...

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Opernwelt März 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch

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