«Musik hat mich verändert»

Eine Tausendsassa? Man könnte es meinen, denn Ilaria Lanzino ist nicht nur Regisseurin, sondern zudem Dozentin und Librettistin. Mit ihren gewagten, aber durchdachten Inszenierungen hat sie sich in der Szene längst einen Namen gemacht. Ein Gespräch über Wesen und Sinn von Kunst, Authentizität, filmische Vorbilder und die besondere Form des «Dienstagfiebers»

Opernwelt - Logo

Frau Lanzino, die Bildhauerin Louise Bourgeois vertrat entschieden die Meinung, Kunst handle vom Leben, während ihre Beinahe-Landsfrau, die Publizistin Susan Sontag überzeugt davon war, dass alle Kunst nicht mehr sei als Trompe-l’œil – Illusion, Lüge, Camouflage. Wer hat Recht?
Ich bin ein großer Fan von Susan Sontag, irgendwie halte ich es mehr mit ihr. Deswegen liebe ich auch Filme wie «The Square», die das Künstlertum als Ausdruck einer selbstsüchtigen Performance entlarven.

Die Etiketten, die sich Künstlerinnen und Künstler zwanghaft anheften, entfremden mich schlagartig von ihrer Kunst. Aus diesem Grunde werden Sie mich auch nicht auf Instagram oder Facebook finden; die Gefahr, die eigene Authentizität zu unterlaufen, ist einfach zu groß. Wirklich authentische Kunst zu machen, erscheint mir als sehr schwierig, und oft bin ich nachhaltig irritiert, wenn ich bei einer Künstlerin oder einem Künstler den Willen erkenne, nur sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und damit eine «Marke» zu konstruieren – was ja im Grunde der kapitalistischen Logik folgt, sich selbst ständig zu verkaufen. Und wenn das überhandnimmt, ist die Kunst am Ende.

Können Sie diese Kritik noch etwas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2025
Rubrik: Interview, Seite 42
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Verhängnisvolle Leidenschaften

Woll- oder Leinenfäden werden an diesen Arbeitsplätzen nicht mehr versponnen. Dafür gibt es Kabel: Die quellen über Schreibtische, während die beiden Damen auf ihren Tastaturen hämmern, um immer neue Avatare zu erzeugen: Webkunst 2.0. Wir sind über Ovids Antike schließlich hinaus. Dazu wird gesungen, hanebüchen Schweres von Antonio Vivaldi. Ein Showdown, hier...

Grundkurs Pazifismus

Eine Wagner-Oper um vier Uhr nachmittags – da kommen Festspiel-Gefühle auf! Die Sonne brennt, das Satteldach des Bühnenhauses von Neustrelitz grüßt über die Wiesen und Wipfel wie jenes in Bayreuth über Kleingartenanlagen und Maisfelder. Das Theater in der mecklenburgischen Residenzstadt liegt sogar auf einer Erhebung, die wir ruhig mal einen Hügel nennen. Nebenan...

Auf ein Bier mit Bizet

Sind wir hier richtig – in einer Boule-Bar? Die befindet sich im Osloer Multikulti-Stadtteil Grønland, die Speisekarte bietet American Diner an, auf den Bildschirmen wird Werbung gemacht für ein Pokerturnier – und eben für Boule-Events. Einen Opernabend erwartet man in diesem Umfeld wirklich nicht. Nur sieben Prozent der Norweger geben an, sich für Oper zu...