«Musik hat mich verändert»
Frau Lanzino, die Bildhauerin Louise Bourgeois vertrat entschieden die Meinung, Kunst handle vom Leben, während ihre Beinahe-Landsfrau, die Publizistin Susan Sontag überzeugt davon war, dass alle Kunst nicht mehr sei als Trompe-l’œil – Illusion, Lüge, Camouflage. Wer hat Recht?
Ich bin ein großer Fan von Susan Sontag, irgendwie halte ich es mehr mit ihr. Deswegen liebe ich auch Filme wie «The Square», die das Künstlertum als Ausdruck einer selbstsüchtigen Performance entlarven.
Die Etiketten, die sich Künstlerinnen und Künstler zwanghaft anheften, entfremden mich schlagartig von ihrer Kunst. Aus diesem Grunde werden Sie mich auch nicht auf Instagram oder Facebook finden; die Gefahr, die eigene Authentizität zu unterlaufen, ist einfach zu groß. Wirklich authentische Kunst zu machen, erscheint mir als sehr schwierig, und oft bin ich nachhaltig irritiert, wenn ich bei einer Künstlerin oder einem Künstler den Willen erkenne, nur sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und damit eine «Marke» zu konstruieren – was ja im Grunde der kapitalistischen Logik folgt, sich selbst ständig zu verkaufen. Und wenn das überhandnimmt, ist die Kunst am Ende.
Können Sie diese Kritik noch etwas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Interview, Seite 42
von Jürgen Otten
Dass der Italiener Victor de Sabata zu den besten Wagner-Dirigenten gehörte, war auch außerhalb seines Heimatlandes bald bekannt; auf Schallplatte dokumentiert wurde dieser Ruf aber überraschend spärlich. Einzelne Stücke aus Wagners Musikdramen liegen in Aufnahmen vor: etwa ein überaus geschmackvoll dirigiertes «Meistersinger»-Vorspiel, ein innig und leuchtend...
Antonio Caldara gilt schon lange nicht mehr als jener barocke Kleinmeister, als den man ihn lange Zeit klassifiziert hatte. Für seine Zeitgenossen war er einer der bedeu -tendsten Komponisten überhaupt, seine Berufung an den Wiener Kaiserhof Karls VI., an dem er von 1716 bis zu seinem Tod 1736 wirkte, und die enorme Verbreitung seiner Musik in ganz Europa...
Man hat ihn hierzulande fast ein bisschen vergessen, den freundlich schmunzelnden Herrn mit dem rundlichen Kahlkopf und dem kaukasischen Schnurrbart über dem Goldkettchen. Dabei war Gija Kantscheli (1935–2019) bis zu seinem Tod durchaus eine Berühmtheit: ein in den Westen versprengter Anti-Modernist, der – zusammen mit der jüngst verstorbenen Russin Sofia...
