Multiperspektivisch
Die am 22. Februar 1943 zusammen mit ihrem Bruder Hans und dessen Freund Christoph Probst hingerichtete Sophie Scholl leuchtet als Ikone des Widerstands gegen Hitler. Die Erinnerung an sie und die Widerstandsgruppe «Die Weiße Rose» ist nicht verblasst. Im Gegenteil, ihr aufrechter Gang lebt weiter – selbst wenn er heute in pervertierter Weise von der Querdenker-Bewegung instrumentalisiert wird. Allein schon deshalb ist Karola Obermüllers neue Oper ein aktuelles, ein politisches, ein wichtiges Stück, das zu seiner Rechtfertigung nicht einmal des 100.
Geburtstags von Sophie Scholl bedurft hätte. Obermüller, die in diesem Jahr mit dem Heidelberger Komponistinnen-Preis ausgezeichnet wurde, stellt sich damit bewusst der Konkurrenz von Udo Zimmermanns 1986 entstandener Kammeroper «Weiße Rose», einem der meistgespielten deutschen Musiktheaterwerke der letzten Jahrzehnte. Obermüller und ihre Librettistin, die Heidelberger Operndirektorin Ulrike Schumann, gehen allerdings einen anderen, grundverschiedenen Weg. Wo Zimmermann in expressiver Verdichtung einen handlungslosen Dialog zweier Seelen exponiert – Sophie und Hans Scholl reflektieren unmittelbar vor der Hinrichtung ihr Schicksal und ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Uwe Schweikert
Als Giuditta Pasta 1850 in London ihre letzten Konzerte sang, war ihre Stimme, wie Henry Fothergill Chorley in seinen Erinnerungen berichtet, «in a state of utter ruin». Voller Trauer sagte Pauline Viardot: «Es ist wie das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci – ein Wrack von einem Bild, aber dieses Bild ist das größte Gemälde der Welt.» In Erinnerung an eine...
Der Komponist und der Diktator starben just am selben Tag, dem 5. März 1953. Es erscheint als fiese Ironie des Schicksals, dass Josef Stalin mit seinem finalen Abgang von der Weltbühne Sergej Prokofjew gleichsam die Show stahl. Denn die angeordnete Staatstrauer um den Tod des Massenmörders ließ die Nachricht vom Hinscheiden des freiwillig in die Heimat...
An den Ufern der Loire, nachts um halb eins. Als habe ihnen jemand etwas in den Tee getan, irren gallische Frauen und Männer, sämtlich blondbezopft (sind sie gar dem Comic «Asterix und Obelix» entwichen?), in wallenden grünen Gewändern durch den dunklen Zauberwald, hauen einander mit krummen Stöcken aus Holz nach Barbarenart in die Rippen. Es dauert eine Weile, bis...
