Mozarts Geist und Haydns Humor

Gassmann: L’Opera Seria am Teatro alla Scala in Mailand

Opernwelt - Logo

Was für ein famoses Experiment der Satire: Florian Leopold Gassmann wendet die Typenkomödie der Opera buffa, wie sie im Stegreiftheater der Commedia dell’Arte vorgebildet ist, auf die tragischen Heldengeschichten der Opera seria an. Letztere war anno 1769 zur Uraufführung von Gassmanns Satire «L’Opera Seria» am Burgtheater schon arg in die Jahre gekommen. Gluck hatte darauf mit seiner Reformoper reagiert.

Nun aber elektrisierte das aus dem Stiefelstaat importierte Genre der Commedia per musica das Wiener Publikum. In der Hauptstadt des Habsburgerreichs stieg der böhmische Meister zum Hofkapellmeister auf, Salieri wurde sein Schüler. Mozart, damals 13 Jahre jung und zum Konzertmeister in Salzburg ernannt, muss von Gassmann gehört haben. Denn der sprühende Geist einer «Così fan tutte» ist in Gassmanns Musik so sehr vorgeprägt, wie Haydns Humor spürbar wird. «L’Opera Seria» lässt sich daher gleichermaßen als Parodie auf die abgewirtschaftete Da-capo- Arie, auf unglaubwürdige Naturmetaphern und ausgestellte Affekte der Barockoper verstehen wie als Antizipation kommender Meisterwerke des musikalischen Augenzwinkerns.

Christophe Rousset verbindet beherzt beide Perspektiven. Seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Augenblicke der Liebe

Nun sieh mal einer hin: Die Diva ist nackt. Na ja, fast, fleischfarbene Unterwäsche verbirgt die vulnerablen Passagen ihres Körpers. Dennoch erinnert die Eingangsszene stark an eine biblische Erzählung – an Susanna im Bade. Der Unterschied: Nicht zwei notgeile Richter schauen unerlaubt zu, sondern fast 2000 Menschen im Saal, die völlig legal eine Eintrittskarte...

Schicksal ohne Schlupfloch

Der Protagonist als leuchtendes Vorbild? Zumindest der Beginn dieser Uraufführung, die sein Name titelgebend ziert, suggeriert dergleichen. Noch ist kein einziger Ton erklungen, da sieht man das Gesicht dieses Mannes. Geisterhaft hebt es sich aus einem Bühnendunkel ab, das sich dann nach und nach mit seiner Handschrift füllt, so als wären es vor allem Gedanken und...

Wüstenritt

In der Wüste verstummt die Zivilisation. Nirgendwo ist man so gottverlassen – und Gott zugleich so nah. Eine mystische, todbringende Weite, die jene anzieht, die in der Enge der Welt keinen Platz finden. Für ihre Kammeroper «Song from the Uproar» ließ sich die US-amerikanische Komponistin Missy Mazzoli von der Lebensgeschichte der Wüstenreisenden Isabelle Eberhardt...