Mozart: Don Giovanni
Mozarts «Don Giovanni», die Oper aller Opern, lieferte mehr Stoff zu Spekulationen als selbst das geheimnisumwitterte Requiem. Die Regisseurin Sandra Leupold indes hat alle literarisch-philosophischen Überschreibungen von Libretto und Musik dort stehen lassen, wo sie hingehören – im Buchregal – und das wahrhaft inkommensurable Werk in ihrer Heidelberger Inszenierung ohne Wenn und Aber, ohne Tiefenpsychologie und politische Aktualisierung auf die Bretter des Theaters zurückgeholt.
Acht Sänger treffen sich auf der Szene und spielen Sänger, die «Don Giovanni» spielen.
Jeder mit einem Stuhl bewaffnet gesellen sie sich zur Musik der Ouvertüre wie zufällig aufs Podium. Als zuletzt Don Giovanni – ohne Stuhl! – auftritt, schnappt er sich einfach den seines Dieners und kippt Leporello zu Boden. Später, nach dem Mord am Komtur, dreht Leporello den Spieß um und komplimentiert seinen Herrn auf den frei gewordenen Stuhl des Toten. Ohne es noch recht gemerkt zu haben, sind die Spieler Teilnehmer und wir die Zuschauer einer außerordentlichen Geschichte.
Dieser simple Grundeinfall, in dem episches und gestisches Theater sich überlagern, schafft gleichermaßen Distanz wie Perspektive. Anderer ...
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Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot...
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