Mozart am Hakenkreuz

Robert Kriechbaumer beschreibt die Entwicklung der Salzburger Festspiele von 1933 bis 1945

Die politische Geschichte der Salzburger Festspiele zwischen 1933 und 1944 bietet Anschauungsmaterial dazu, wie käuflich Kunst und Musik sind und wie opportunistisch Künstler und Musiker sich verhalten können, wenn sie von den Mächtigen hofiert oder in Beschlag genommen werden. Der etwas akademisch klingende Buchtitel des Salzburger Universitätshistorikers Robert Kriechbaumer meint zunächst die historischen Fakten: Österreich wirkt seit Beginn der Nazi-Herrschaft in Deutschland wie traumatisiert, es versucht einen eigenen Weg zu gehen als «Ständestaat», «Austrofaschismus» genannt.

Nach Ermordung des Kanzlers Engelbert Dollfuß gerät das Land immer tiefer in den Konflikt mit dem großen Nachbarn, Österreichs von Berlin ferngesteuerte NSDAP verstärkt die propagandistische Wühlarbeit um die Macht.

Die Salzburger Festspiele spiegeln die nationale und kulturelle Krise wider, die sich in zwei Abschnitten zuspitzt: zwischen 1933 und 1937 im Abwehrkampf gegen die Infiltration der Nazi-Ideologie, nach dem Anschluss 1938 in der von «Großdeutschland» aus perfekt gelenkten Neuausrichtung der Festspiele. Ein deutsches Reichsgesetz vom 1. Juni 1933 bläst bereits zur ­Attacke auf den kleinen ...

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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 48
von Wolfgang Schreiber

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