Mozart am Hakenkreuz
Die politische Geschichte der Salzburger Festspiele zwischen 1933 und 1944 bietet Anschauungsmaterial dazu, wie käuflich Kunst und Musik sind und wie opportunistisch Künstler und Musiker sich verhalten können, wenn sie von den Mächtigen hofiert oder in Beschlag genommen werden. Der etwas akademisch klingende Buchtitel des Salzburger Universitätshistorikers Robert Kriechbaumer meint zunächst die historischen Fakten: Österreich wirkt seit Beginn der Nazi-Herrschaft in Deutschland wie traumatisiert, es versucht einen eigenen Weg zu gehen als «Ständestaat», «Austrofaschismus» genannt.
Nach Ermordung des Kanzlers Engelbert Dollfuß gerät das Land immer tiefer in den Konflikt mit dem großen Nachbarn, Österreichs von Berlin ferngesteuerte NSDAP verstärkt die propagandistische Wühlarbeit um die Macht.
Die Salzburger Festspiele spiegeln die nationale und kulturelle Krise wider, die sich in zwei Abschnitten zuspitzt: zwischen 1933 und 1937 im Abwehrkampf gegen die Infiltration der Nazi-Ideologie, nach dem Anschluss 1938 in der von «Großdeutschland» aus perfekt gelenkten Neuausrichtung der Festspiele. Ein deutsches Reichsgesetz vom 1. Juni 1933 bläst bereits zur Attacke auf den kleinen ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 48
von Wolfgang Schreiber
Einen historischen Lidschlag vor Monteverdi wurde in der römischen Valicellakirche ein Werk von Emilio de Cavalieri uraufgeführt, in dem die ferne Nachwelt einen der Haupt-Vorläufer der im Werden begriffenen Gattung Oper erkannte. Zum Heiligen Jahr 1600 präsentierten der Komponist und sein geistlicher Textdichter Agostino Manni mit der «Rappresentazione di anima e...
Es gibt ein Nachspiel. Da steht der Regisseur Frank Castorf im Buhgewitter vor dem Vorhang des Bayreuther Festspielhauses und steht und steht. Er will einfach nicht abgehen, schaut auf die Uhr, schaut auf die wütende Menge, zeigt ihr den Vogel. Will er etwas sagen? Das Publikum will es jedenfalls nicht hören. Immerhin hatte Castorf sechzehn Stunden Zeit, alles zum...
Bis auf den «Fliegenden Holländer» ist der Katalog der großen Werke Wagners bei dem von Ádám Fischer vor acht Jahren initiierten Festival «Wagner in Budapest» jetzt vollständig: Mit den «Meistersingern von Nürnberg» feierte die ungarische Hauptstadt den 200. Geburtstag des Meisters. Dank Schwiegervater Franz Liszt und seiner ungarischen Mitstreiter galt Budapest ja...
