Schillerndes Spiel
Einen historischen Lidschlag vor Monteverdi wurde in der römischen Valicellakirche ein Werk von Emilio de Cavalieri uraufgeführt, in dem die ferne Nachwelt einen der Haupt-Vorläufer der im Werden begriffenen Gattung Oper erkannte. Zum Heiligen Jahr 1600 präsentierten der Komponist und sein geistlicher Textdichter Agostino Manni mit der «Rappresentazione di anima e di corpo» so etwas wie eine theatralisierte Predigt mit Tänzen, Gesängen, Instrumentalstücken und dramatischen Formen.
Dabei zeigt sich Cavalieris reifes Meisterwerk (der Komponist starb zwei Jahre später 52-jährig) als ein schillerndes Produkt der jesuitischen Gegenreformation. Dieses Lehrspiel nimmt das verbreitete memento-mori-Weltgefühl jener Zeit zum Anlass, den paulinisch-christlichen Widerstreit zwischen Körper und Geist, weltlichen Versuchungen und himmlischen Verheißungen aufzugreifen und, in vielerlei Anläufen, die Hinfälligkeit jeglicher Lustsuche und die dauerhafte Freude am ewigen Leben zu propagieren. Die
beabsichtigte fromme Askese setzt sich freilich paradox in Szene – mit musikalisch luxurierendem Klangrausch und einem drastisch nervrüttelnden Verlockungs- und Gruselspiel des entfesselten Mimus. Wen ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Magazin, Seite 101
von Hans Klaus Jungheinrich
Das Verdi- und Wagner-Jahr 2013 ist auch ein Benjamin-Britten-Jahr, das aber im Jubiläumstrubel für die beiden großen Antipoden schier unterzugehen droht. Die Deutsche Oper Berlin hat, nicht eben überzeugend, «Peter Grimes» gespielt (OW 3/2013), Hamburg sich für die unterschätzte «Gloriana» eingesetzt (OW 4/2013). Die Düsseldorfer Rheinoper kündigt für die kommende...
Frau Te Kanawa, Sie waren eine der begehrtesten Sängerinnen der Achtziger- und Neunzigerjahre. Sie hätten allen Grund, in Ihre eigene Stimme «verliebt» zu sein. Sind Sie es?
Ach, dafür war es zu viel Arbeit. Ich musste mich immer zu sehr um meine Technik kümmern. Das war entscheidend für alles andere. Ich denke schon, dass man ein positives, emotionales Verhältnis...
Unter einer gleißenden Sonntagmorgen-Sonne strömt die internationale Gemeinde der Rossiniani erwartungsfroh der Trinkhalle im Schwarzwälder Kurort Bad Wildbad zu. Als die letzten Akkorde der «Tell»-Apotheose in mächtigem Crescendo verrauscht sind, scheint der Vollmond über dem Enz-Tal. Dass man da elf Stunden mit Rossinis opus ultimum verbracht hatte, war nicht...
