Sportstück: Olga Kulchynska (Susanna), Alex Esposito (Figaro); Foto: Bayerische Staatsoper/Wilfried Hösl
Momentaufnahmen
Da schenkt der Chor bei seinem Lobgesang auf Almaviva ihm eben noch Blumen – um sie dem Grafen gleich darauf zur Wiederholung desselben Lobgesangs vor die Füße zu werfen. Ja, was denn nun? Man weiß es nicht in der Inszenierung von Mozarts «Le nozze di Figaro», die Christof Loy an der Bayerischen Staatsoper vorgelegt hat, und das ist durchaus Absicht. Nichts ist mehr fest hier. Die Standesschranken nicht, die Loy an dem Stoff offenkundig inzwischen für irrelevant hält, aber auch die Gefühle der Figuren nicht, die ihn umso mehr interessieren.
Sucht der Graf Susanna zu verführen? Oder doch eher sie ihn? Beide Lesarten sind möglich, je nachdem, welchen Momenten der Zuschauer mehr Beachtung schenkt.
Zumal der Graf bei Christian Gerhaher eher ein kultivierter Herr ist, der zur Lektüre von Liebesbriefchen die Lesebrille zücken muss und auch im Umgang mit Frauen eher selten den Durchblick hat. Mehr aus Unsicherheit denn aus Tyrannei wirft er sich gegenüber seiner Gattin in die Pose des Eifersüchtigen, auch wenn sich für deren Treue trotz der noblen Phrasierungen der jungen Federica Lombardi hier niemand verbürgen würde. Dafür lässt sie Cherubino viel zu nahe an sich ran, der bei Solenn’ ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Michael Stallknecht
Es ist nicht eben die beste aller theatralen Welten, die Leonard Bernstein und sein Librettistenteam mit «Candide» auf die Bühne stellen: Das Stück ist undramatisch, episch, besteht aus einer Folge aneinandergereihter Bilder, die durch erklärende Sprechtexte miteinander verknüpft werden. Also eigentlich die ideale Vorlage für eine konzertante Aufführung – so, wie...
Diese Farben! In allen Nuancen schillern, weben, leuchten sie aus Leos Janáčeks Natur. Morgenrot und Abendgold, Mondweiß und Sonnengelb, Waldgrün und Himmelblau. Das Leben ist bunt hier, voller Überraschungen und Kontraste. Ein sinnenpralles Mosaik, das in keinen Rahmen passt. Genau so klingen «Die Abenteuer der Füchsin Bystrouschka», jene 1924 in Brno...
Selbst unter Gesangskennern scheint Irma Kolassi (1918-2012) ein unbeschriebenes Blatt zu sein. In Jürgen Kestings vierbändigem Standardwerk «Die großen Sänger» jedenfalls wird die französische Mezzosopranistin griechischer Herkunft nicht einmal erwähnt. Mit dieser Unterschätzung räumen die vier CDs ihrer Decca-Aufnahmen aus den Jahren 1952 bis 1955 auf, die der...
