Die Furien sind da
Die Terroristin trägt Prada. Schulterfrei. Lang, in eleganten Wellen, fließt die glutrote Seide an Medeas Körper herab, schmückt sie mit majestätischer Aura. Doch wie anders ist das Empfinden der gottgleichen Zauberin. Diese Frau, in deren Leben seit jeher die großen, gemischten Gefühle dominierten, ist nun durchglüht von heiligem Zorn. Zorn auf die Welt, auf die Liebenden, auf sich selbst. Nur noch eines will das schöne Biest, die Handgranate in ihrer Linken lässt daran wenig Zweifel: totale (Selbst-)Zerstörung.
Georg Friedrich Händel hat der heimlichen Hauptfigur seines «Teseo» hierzu eine Da capo-Arie in die Kehle komponiert, die ungebärdiger, widersprüchlicher kaum sein könnte: Jene oboengerahmte Adagio-Klage, mit der Medea im ersten Akt als bemitleidenswertes Wesen eingeführt wurde, kontrastiert mit einer von Sechszehntelketten begleiteten Raserei; der koloraturfreie, nicht minder gehetzte Mittelteil entfaltet Medeas Vision von der zu Tode gefolterten Kontrahentin. Soll der Tod kommen, sie ist nicht allein mit ihm: «Morirò, ma vendicata.»
Nicht erst in diesem finale furioso ist Gaëlle Arquez das Zentrum einer Aufführung, die sich – nach etwas behäbigem Beginn – tiefer und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Für einmal nicht «Hänsel und Gretel», sondern «Aschenputtel». Doch nicht von Rossini (und auch nicht von Massenet), sondern aus der Feder einer der bedeutendsten Sängerinnen der Operngeschichte. Pauline Viardot, die erste Fidès in Meyerbeers «Le prophète», die seit 1841 regelmäßig als «Cenerentola» in Rossinis Oper brilliert hatte, ließ 1904 eine einaktige Operette...
Herr Padmore, Sie haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass Sie keine große Stimme haben. Wenn ich jetzt sage: «Ihre Karriere ist das Ergebnis einer grandiosen Kompensation», stehen Sie dann gleich wieder auf und gehen?
(lacht) Wenn ich einen tollen Klang hätte, würde ich ihn einsetzen, keine Frage. Aber wie die Dinge liegen, muss ich eben behaupten, darauf kommt es...
Die Große Historische Oper französischen Zuschnitts kam nach den Erfolgen Meyerbeers und Halévys in den 1840er-Jahren auch bei deutschen Komponisten in Mode. Wagners «Rienzi» ist das prominenteste Beispiel, große Beachtung fanden seinerzeit auch die Opern von Franz Lachner und Peter Joseph von Lindpaintner. Zwei Mitschnitte konzertanter Aufführungen rufen ihre...
