Mit heißem Herzen
Seine Leidenschaft ist die Oper. Das wird er nicht müde zu betonen. Eine heiße, gewissermaßen legale Geliebte – die ihren Anbeter allerdings schon mehrfach von sich gestoßen hat. Vor diesem Hintergrund ist Mariss Jansons der wohl ungewöhnlichste «Dirigent des Jahres». Nur selten taucht er nämlich im Graben auf. Und wenn er es tut, dann erlebt man Affären: intensiv, feurig und bis in die letzte Nervenfaser beseelt, die vieles andere in der Opernszene überstrahlen.
In der gerade abgelaufenen Saison ist es wieder passiert: bei Tschaikowskys «Eugen Onegin», zunächst konzertant in München mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, danach in Stefan Herheims Amsterdamer Inszenierung mit Jansons’ zweitem Ensemble, dem Concertgebouworkest. Eine Interpretation des Überflusses, mit heißem Herzen dirigiert, in Bronzetönen glühend – und zugleich so fernab vom gefühligen Tschaikowsky-Klischee, wie man es sich nur vorstellen kann. Die Doppelexistenz dieses Stars ohne PR-Kohorten, hier wurde sie hörbar: Da ist zum einen das Kraftwerk Jansons: ein sich Werk und Aufführung ausliefernder Energiespender. Und da ist zum anderen der Kontrollator, der all diese Emotionen kanalisiert, steuert, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Bilanz, Seite 96
von Markus Thiel
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