Wer kann, der kann
Der junge Händel hat während seines Rom-Aufenthalts 1707/08 zwei Oratorien komponiert: «Il trionfo del tempo e del disinganno» («Der Triumph von Zeit und Enttäuschung») und «La resurrezione» («Die Auferstehung»). Bekanntlich waren im päpstlichen Rom zu dieser Zeit private wie öffentliche Theateraufführungen verboten. Also tarnte man die Opern als geistliche Singspiele. Wenn schon nicht mit den Augen hören, dann doch wenigstens durch die Ohren sehen, scheinen sich die Zeitgenossen gedacht zu haben.
Betörendere Musik als die zu einer Perlenkette gereihten Arien des «Trionfo» hat Händel auch später nicht geschrieben. Die Handlung ist zu einer lehrhaften Allegorie eingedampft: Die von Piacere (Vergnügen) verführte Bellezza (Schönheit) lässt sich am Ende von Tempo (Zeit) und Disinganno (Enttäuschung) reumütig bekehren.
Ein szenischer Mehrwert scheint aus dieser moralischen Bußpredigt nicht zu schlagen. Wer so denkt, hat die Rechnung allerdings ohne Calixto Bieito gemacht. Der katalanische Regieberserker entfesselt zu Händels sublimer musikalischer Allegorie über die Vergänglichkeit alles Irdischen – nach bewährter Manier, man erinnere sich an seine Berliner Inszenierung von Puccinis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Einspruch, Seite 50
von Uwe Schweikert
Es klingt ehrlich. Als Johannes Martin Kränzle erfährt, dass er zum «Sänger des Jahres» gewählt wurde, platzt es aus ihm heraus: «Das kann aber gar nicht sein!» Was für ein typischer, bescheidener Satz. Er klingt wie: Es gibt doch so viele gute und berühmtere Sänger, warum kommen Sie gerade auf mich? Stimmt: Es gibt viele gute und berühmtere Sänger. Und trotzdem...
Herr Bermbach, Ihr Band über die Wagner-Rezeption in Deutschland bildet den Abschluss einer Trilogie. War das von Anfang an so geplant?
Meine erste Buch-Veröffentlichung zu Wagner war 1994 ein Taschenbuch: «Der Wahn des Gesamtkunstwerks». Entstanden ist es während eines Freisemesters innerhalb von drei Monaten. Nach dessen Abschluss war mir schnell klar geworden,...
Als Albrecht Puhlmann im November 2003 zum Nachfolger von Klaus Zehelein als Intendant der Oper Stuttgart designiert wurde, war man allenthalben überzeugt, eine gute, ja ideale Wahl getroffen zu haben. Nach Jahren als erfolgreicher Operndirektor in Basel und wagemutiger Opernintendant in Hannover schien der versierte Dramaturg ein Garant für den intellektuellen...
