Mit den Waffen einer Frau
Sie möge doch bitteschön endlich heiraten, gibt der alte und blinde Onkel Hidraot seiner Nichte Armide zu verstehen. Denn der König von Damaskus (Tomislav Lavoie) erwartet einen würdigen Nachfolger in der Herrschaft über sein Reich. Doch die charismatische Prinzessin, die gemäß Tassos Epos «La Gerusalemme liberata» und in der Libretto-Lesart von Philippe Quinault auch über außergewöhnliche Zauberkräfte verfügt, besteht auf ihrer Autonomie. Frei will sie sein, ihr Herz soll selbstbestimmt bleiben.
Stéphanie d’Oustrac ist an der Opéra Royal von Versailles diese widerspenstigstarke Frau – wie es scheint, eine Französin durch und durch, emanzipiert und stolz, entscheidungsund empfindungsstark. Sie weiß, was und wen sie will. Und sie kann die Männer haben, die sie begehrt. Die Mezzosopranistin, die im französischen Barockfach fast so sehr eine Institution ist wie Cecilia Bartoli im italienischen, gleicht einer Bühnenlöwin, die jede Phrase der dominanten Rezitative dramatisch durchpulst, die Eros und Hass, Feuer und Gift in der Stimme hat, die ihren Lully nicht säuselt, sondern in machtvoll geradegezogenen Tönen modern macht.
Dominique Pitoiset hilft ihr in seiner Inszenierung nach ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Peter Krause
Selbstverständlich gibt es auch in dieser «Aida» eine Pyramide. Nur glüht nicht der güldene Sandstein. Es dominiert bühnenhohes Schwarzgrau. Ein Ascheberg, Ergebnis des Dauerrieselns durch die Löcher einer zerschossenen Decke. Ein monumentales Bild, das von Regisseur Damiano Michieletto bewusst nicht mit Action gefüllt wird. Hier herrscht Leere, Ausweglosigkeit,...
Ein Mann zieht Resümee. Er ist 87, hat fast alles erlebt auf der Bühne, die manchmal auch die Bühne des Lebens ist – als Schauspieler, Regisseur, Intendant, Pädagoge und als Mensch. Nun blickt er zurück, und es ist ein Blick nicht im Zorn, sondern beinahe der des Philosophen Seneca aus Monteverdis «L’incoronazione di Poppea»: mild lächelnd, epikureischweise, ein...
arte
02.07. – 17.45 Uhr Sternstunden der Musik: Norman und Battle Die beiden Operndiven Jessye Norman und Kathleen Battle setzten am 18. März 1990 in der New Yorker Carnegie Hall nicht nur der afroamerikanischen Musiktradition ein Denkmal.
09.07. – 00.15 Uhr Hope on the Road Geiger Daniel Hope begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit und nach Los Angeles –...
