Mit den Waffen einer Frau
Sie möge doch bitteschön endlich heiraten, gibt der alte und blinde Onkel Hidraot seiner Nichte Armide zu verstehen. Denn der König von Damaskus (Tomislav Lavoie) erwartet einen würdigen Nachfolger in der Herrschaft über sein Reich. Doch die charismatische Prinzessin, die gemäß Tassos Epos «La Gerusalemme liberata» und in der Libretto-Lesart von Philippe Quinault auch über außergewöhnliche Zauberkräfte verfügt, besteht auf ihrer Autonomie. Frei will sie sein, ihr Herz soll selbstbestimmt bleiben.
Stéphanie d’Oustrac ist an der Opéra Royal von Versailles diese widerspenstigstarke Frau – wie es scheint, eine Französin durch und durch, emanzipiert und stolz, entscheidungsund empfindungsstark. Sie weiß, was und wen sie will. Und sie kann die Männer haben, die sie begehrt. Die Mezzosopranistin, die im französischen Barockfach fast so sehr eine Institution ist wie Cecilia Bartoli im italienischen, gleicht einer Bühnenlöwin, die jede Phrase der dominanten Rezitative dramatisch durchpulst, die Eros und Hass, Feuer und Gift in der Stimme hat, die ihren Lully nicht säuselt, sondern in machtvoll geradegezogenen Tönen modern macht.
Dominique Pitoiset hilft ihr in seiner Inszenierung nach ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Peter Krause
JUBILARE
Am 15. Juli 1943 kam in der kleinen italienischen Gemeinde Pretoro (Provinz Chieti) Maria Pellegrini zur Welt. 1958 emigrierte ihre Familie nach Kanada. In Toronto und London studierte Pellegrini Gesang und feierte 1963 an der Canadian Opera Company ihr Bühnendebüt. In den folgenden Jahren sang sie am dem Haus in Toronto unter anderem die Annina in...
Vor vielen Monaten fand eine italienische Musikwissenschaftlerin eine noch unbekannte Oper von Gaetano Donizetti: «Dalinda» – in den ersten zwei Akten quasi deckungsgleich mit Donizettis «Lucrezia Borgia» (1833). Der Rest bis dato: verloren, ungehört. Die verspätete Uraufführung der «Dalinda» Mitte Mai im Konzerthaus Berlin: eine Sensation.
Statt mit der (per...
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