«Mich kann nichts mehr erschüttern»

Stefan Soltesz, langjähriger GMD des Aalto Musiktheaters, über seinen Abschied, Streichkonzerte in Essen, seinen Lehrer Hans Swarowsky und die Freude an der neuen Freiheit

Herr Soltesz, Sie waren 16 Jahre Intendant und Generalmusikdirektor in Essen. Für heutige Verhältnisse eine Ewigkeit?
Die Zeiten sind kurzatmiger geworden. Wolfgang Sawallisch war 22 Jahre an der Bayerischen Staatsoper in München, das entspricht nach heutigem Empfinden der Zeit, die ich in Essen geblieben bin. Als ich den Vertrag unterschrieb, rechnete ich mit einer Laufzeit von fünf Jahren, plus vielleicht noch einmal drei Jahren Verlängerung. Inzwischen machen sich finanzielle Engpässe immer stärker bemerkbar.

Der Kampf ums Geld hat sich in den letzten fünf bis sechs Jahren verschärft. Auch in Essen, und zwar besonders heftig, nachdem man – im Rahmen von «Ruhr.2010» – Kulturhauptstadt Europas war.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Sonst wären die drastischen Einschnitte in die Kulturhaushalte im Ruhrgebiet noch früher gekommen. Nach 13 Jahren in Essen war mir klar, dass ich gehe. Die Politik wollte etwas anderes mit dem Theater als ich. Also verständigten wir uns, dass ich die drei letzten Spielzeiten meiner Intendanz noch passabel über die Bühne zu bekommen versuche.

Klingt nach einem nicht eben rosigen Ende ...

Ich konnte während meiner Zeit alles Wesentliche realisieren. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Heilsbringer, selbst ernannt

Er sei nicht interessiert daran, Märchen zu erzählen, hatte Carlos Wagner vorab gesagt. Und schon beim Auftritt des blütenweißen Strahleritters Lohengrin – im Gegenlicht, gezogen von einem in Ketten gelegten Gottfried – zeigt sich, was er mit «Märchen» meint: Verblendung, die nicht als solche erkannt wird. Carlos Wagner versucht der Geschichte vom Heilsbringer am...

Neue Liturgie

Dass Oper in Film und Fernsehen oft wie eine verarmte Adelige wirkt, die sich einem Parvenü anbietet, mag arrogant klingen – ganz falsch ist die Behauptung nicht. Denn das Atmosphärische des echten «Live» fehlt gerade bei einer Oper wie «Parsifal» – das wird selbst Peter Gelb zugeben müssen, der betriebsame Generalmanager der Met, der mit seinen Live-Übertragungen...

Pountneys Pakete

Abseits des Hauptstadtgeschehens um Covent Garden und English National Opera wird das Operndasein im Vereinten Königreich vom Tourneebetrieb bestimmt. Die Welsh National Opera bildet da keine Ausnahme. David Pountney leitet die Geschicke der walisischen Kompanie seit 2011. Sein bescheidenes Büro im Wales Millenium Centre von Cardiff – kein Vergleich zu dem luftigen...