Metamorphosen
Schwer zu sagen, was hinter den Türen geschieht. Das alte Adelsgeschlecht, so lässt es uns Edgar Allan Poe in seiner Erzählung wissen, hat sich seit Langem abgeschottet von der Außenwelt. Erst als der Regisseur das Licht dimmt und eine Stimme aus einem Brief Rodericks zitiert, fühlt sich auch das Publikum eingeladen, dem «Untergang des Hauses Usher» beizuwohnen. Klamm wirkt das Innere des Kammertheaters. Dichte Nebelschwaden ziehen durch den düsteren Raum, die sich nur nach und nach etwas lichten.
Als Erstes wird auf der Bühne ein gewaltiger Stein sichtbar, der wie ein Perpendikel hin- und herschwingt. Gependelt wird überhaupt viel, und lange Zeit bleibt das die einzige Bewegung, die sich der Arzt und William gestatten. Reglos dagegen die beiden Kinder, die leichenblass in einem der vielen Käfige liegen, mit denen Pascale Arndtz die Szene bestückt. Wie erstarrt Roderick, der sich hoch oben an ein Gitter krallt. Ganz und gar tot dagegen die geschwänzten Föten in den Formalin-Gläsern, die dem Ganzen etwas Gespenstisches, um nicht zu sagen: etwas Pathologisches geben.
In seiner ersten Operninszenierung orientiert sich Jo Fabian ganz an der Musik von Philip Glass, ohne das literarische ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Hartmut Regitz
So ein Wagner-Glück gibt es in Skandinavien nicht alle Tage: In zwei Städten, die nur ein sechzehn Kilometer schmaler Wasserstreifen trennt, standen «Parsifal»-Premieren auf dem Programm. Man musste nur über den Øresund fahren, jene geschichtsträchtige Meerenge, die Dänemark von Schweden trennt, um erhellende Vergleiche zwischen den Aufführungen in Kopenhagen und...
Es gibt Stimmen, die bringen nach jahrzehntelanger beruflicher Belastung noch immer entspannte Töne hin: Töne, bei denen man die Sängerin oder den Sänger für viel jünger halten würde, als er bzw. sie zum Zeitpunkt der Aufnahme oder Aufführung war bzw. ist. Nicht nur Töne, sondern auch Triller, saubere, genaue Phrasierung, gestaltete Dynamik. Solche Künstler hören...
Gleich zu Beginn glitzern Silber-Pennies bei den quicken Streichern: Das reiche Erbe des alten Admirals Morosus liegt in Chemnitz tatsächlich «im Keller», nämlich im Orchestergraben. Was Generalmusikdirektor Frank Beermann der Robert-Schumann-Philharmonie während der vorletzten Premiere der Spielzeit an verschmitztem Spielwitz entlockte, brachte das Publikum zum...
