Melodien für Melonen
Der 1894 in Prag geborene Erwin Schulhoff machte zunächst als Pianist auf sich aufmerksam. Antonín Dvořák höchstselbst legte dem gerade einmal Siebenjährigen einen guten Klavierlehrer ans Herz. Mit zehn Jahren ging es für Schulhoff ans Prager Konservatorium. Bald folgten Kompositionsstunden bei niemand Geringerem als Orgel-und-Partitur-Komplexist Max Reger. Der Kampf im Ersten Weltkrieg bescherte Schulhoff eine Handverletzung – und so musste sich dieser erst einmal als Klavierlehrer in Saarbrücken und Berlin verdingen.
Die Bekanntschaft mit George Grosz erbrachte Interesse für die Avantgarde-Malerei der damaligen Dada-Zeit; Schulhoff verstand sich von Anfang an als ein Künstler, der sehr nah dran war (und sein wollte), an dem was künstlerisch en vogue, frech, neu, flamboyant erschien.
Nach einer Phase, die Schulhoff in Dresden verbracht hatte, zog es ihn 1924 zurück nach Prag. Hier veranstaltete Schulhoff Konzerte und widmete sich als Pianist den neuesten Klavierergüssen der Wiener Schule. Die Begeisterung für den Dadaismus riss nicht ab; hinzu kam das große Interesse an Jazz, an Vierteltonmusik, an allem, was frisch, dissonant und zackig klang. Schulhoffs Hingezogenheit zu ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Arno Lücker
Ein junger Mann imaginiert sich die Welt – seine Welt; mit der kalten Realität da draußen hat sie nur wenig gemein. Dafür schilt ihn seine Mutter einen Lügner. Dabei hat doch gerade sie ihm als Kind all jene Märchen erzählt, die seine Fantasie so sehr beflügelt haben. Ja, ein Kind ist dieser Mann geblieben, als viril attraktives «Big Baby» stapft er noch immer...
Inzwischen kann man die «Turandot» ruhig die «Königin der Opern» nennen. Ein Wohlfühlevent, auf das sich alle einigen können; das Stück, mit dem man bei der Jugend am ehesten frische Begeisterung fürs Genre erzeugt, eine Art Lunapark, mit einer nie unterbrochenen Ohrwurmdichte, die es auch Anfängern ermöglicht, die wichtigsten Melodien und Motive der Partitur...
Mozarts Türkenoper «Die Entführung aus dem Serail» zählt zu den Sorgenkindern des Kernrepertoires. Das Problem der Dialoge ist dabei noch älter als das heikle Thema der heute verpönten Orientklischees. Krummsäbel und Turbane bleiben seit langem im Schrank, und die meisten Aktualisierungsversuche ändern oder überschreiben Johann Gottlieb Stephanies Libretto.
Luk...
