CD des Monats: Leiden und Leidenschaft
Wohl kein Himmelskörper wurde so häufig besungen wie dieser. Zu groß seine Faszination, zu immens seine Ausstrahlung, um nicht die Feder in die Tinte zu tauchen. Die vielleicht schönste Hommage an den Mond schrieb Joseph von Eichendorff: «Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküsst, / Dass sie im Blütenschimmer / Von ihm nur träumen müsst», so lautet die erste Strophe seines Gedichts «Mondnacht». Und so in etwa dürfte auch jene zartbesaitete Nymphe empfinden, die Dvořáks berühmtester Oper ihren Namen gab. Der Mond ist ihr Freund, ihn kann sie zärtlich ansingen.
Und eben das tut Rusalka gleich im ersten Akt, in ihrem wunderbaren Ges-Dur-Larghetto. Eine höchst intime Szene, der wiegende 3/8-Takt deutet es an. Dvořák notiert ein dreifaches piano. Rachel Willis-Sørensen, vom Orchestra del Teatro Carlo Felice di Genova unter Frédéric Chaslin überaus behutsam begleitet, folgt dem Willen des Komponisten, füllt den Melos aber mit einem drängenden Gestus, der Rusalkas scheue Bitte («O Mond, du darfst nicht eilen») in ein flehentliches Verlangen umdeutet. Das grundweg warme Timbre der US-amerikanischen Sopranistin erinnert nicht nur bei diesem Stück ein wenig an Maria Callas, wobei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 27
von Jürgen Otten
Nichts Neues im Süden Englands? Von wegen! Das Garsington Opera Festival wartete in diesem Jahr mit einigen Novitäten auf. Bislang hatte es dort lediglich späte Opern von Händel und Vivaldi gegeben; nun blickte man ein Jahrhundert weiter zurück und präsentierte Anfang Juni Claudio Monteverdis favola in musica «Orfeo» von 1607. Dabei profitierten die Festivalmacher...
Natürlich kennen sie das Stück, beide. Wer ernsthaft Theater macht oder Oper, hat seinen «Faust» drauf. Und gewiss können sowohl Lotte de Beer als auch Stefan Herheim noch im Traum jene Passage aus dem ersten Akt zitieren, in der die Titelfigur, nächtlich sinnend, der Welten Lauf zu erklären sucht und schließlich jene Eingebung hat, die seither geflügeltes Wort...
Für gewöhnlich sitzt man im Theater auf seinem Platz und harrt der Dinge, die da kommen. Flanieren geht nur in der Pause. Dass es in Susanne Kennedys Version von Philip Glass’ Oper «Einstein on the Beach» am Theater Basel anders sein wird, erfährt man schon beim Einführungsvortrag: «Das ist ein Abend, den man sich selbst baut», heißt es da. Ein Fall von immersivem...
