Melancholie und Körperdampf
Oft saß er im Wirtshaus und notierte Gesprächsfloskeln, Sprechtonfälle, Satzmelodien, sog den mährischen Sprachklang ein wie ein Schwamm, ließ seine Kompositionen davon überfließen, begegnete dabei der seltsam «hinkenden» Sprechweise dieses Landstrichs, ihrem unorthodoxen Sprachrhythmus unendlich liebevoll. Atemlos hingefetzt manchmal die Notenschrift, in ihrer schlampigen Flüchtigkeit den Wirtshausgesprächen ähnlich. Das war Leos Janácek.
«Es ist oft sehr schwer zu rekonstruieren, was er wirklich wollte», sagte uns in diesem Zusammenhang der renommierte Janácek-Dirigent Tomás Hanus. «Er hat auf einem weißen Blatt Papier die Linien gezogen und dann sozusagen die Noten hineingewühlt ...» Wobei die mährische Folklore bei seinen Kompositionen stets gegenwärtig war. «An das Spiel [...] noch lebender Fiedler, Zymbalspieler und Sackpfeifer knüpfen wir mit unseren Werken an ...», schrieb er. Janáceks Lieder sind vor allem Bearbeitungen jener mährischen Folklore; er las sie den Bauern sozusagen von den Lippen ab. «Nur aus dem lebendigen Volkslied entspringt die Kunstform des Liedes», notierte er. Stets suchte er in seinen Bearbeitungen die Natürlichkeit der Melodie zu wahren, ließ das ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
Sie haben in München an Zimmermanns «Soldaten» oder Strauss’ «Frau ohne Schatten» mitgearbeitet, dazu in eigenen Vorstellungen Mozart, Donizetti, Verdi und Johann Strauß dirigiert – gibt es noch weiße Flecken in Ihrem Stil-Repertoire?
In der ersten Saison war ich ausschließlich als Assistentin Kirill Petrenkos aktiv, dann hat sich der Tätigkeitsbereich erweitert....
Oscar Wilde wusste genau, was er wollte: «... und dann an Stelle des Orchesters große Pfannen mit Parfüm: Die wohlduftenden Wolken steigen auf und verhüllen von Zeit zu Zeit die Bühne.» So stellte er sich seine «Salome» vor. Als Rausch, der alle Sinne anspricht, eine Feier spätantiker Dekadenz, ausgestattet in überbordendem byzantinischen Luxus. Ein Ambiente, das...
Berlioz hatte kein Glück mit seinen Opern. «Benvenuto Cellini» wurde an der Pariser Opéra nach nur sieben Aufführungen abgesetzt, «Les Troyens» erst 1968, ein Jahrhundert nach dem Tod des Komponisten, vollständig realisiert. «Béatrice et Bénédict», sein letztes Bühnenwerk, fand 1862 bei der Uraufführung im Kurtheater von Baden-Baden freundliche Zustimmung, aber...
