Mein lieber Pfau!

Wagner: Lohengrin am Theater Hagen

Opernwelt - Logo

Im Theater stehlen echte Tiere auf der Bühne den Menschen zuverlässig die Schau. Allerdings protestieren zunehmend Tierschützer gegen den Einsatz der unfreiwilligen Bühnenstars. Menschen in Tierkostümen dagegen kommen heute fast nur noch in Kinderstücken vor. Und da, wo sie im Erwachsenen-Theater verlangt sind – etwa bei Janáčeks «Schlauem Füchslein» – widerstehen Regie und Kostümdesign in der Regel der Versuchung märchenhafter Opulenz und stellen die Figuren ohne Fuchsschwänze oder Bärenfelle auf die Bühne.

Was das ungeklärte Verhältnis zwischen Bühnen-Mensch und -Tier aber auch nicht löst.

Nelly Danker erstaunt in Hagen nun mit einer kuriosen Idee für Wagners «Lohengrin»: Die Regisseurin steckt das gesamte Personal in Vogelkostüme. Da ist in Fragen der Zuordnung ornithologischer Sachverstand gefragt, aber zum Glück bietet das Programmheft Hilfestellung. Trotzdem ist es gar nicht so leicht, die schematisierten Zeichnungen aus den zoologischen Fachbüchern mit Amélie Sators überzeichnenden Textilien abzugleichen. Klar: Lohengrin mit blauer Kappe, wippenden Fühlern und Schleppe ist ein Pfau, aber Elsa ganz in Weiß? Eine Taube, von der ja immerhin später in der Gralserzählung noch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Lost Highway

Es ist kaum zu glauben. Wer das Stück in der phänomenalen Produktion des Opernhauses Zürich erlebt, könnte es für eine Schöpfung unserer Tage halten. Tatsächlich aber stammt «Amerika» von Roman Haubenstock-Ramati aus den Jahren 1962 bis 1964 – dass das Werk bei seiner Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin, deren Intendant Gustav Rudolf Sellner es in Auftrag...

Heinrich, mir graut vor dir!

Reuß-Schleiz-Greiz heißt das deutsche Duodezfürstentum in der Operette «Wiener Blut». Dass es keineswegs fiktiv ist, weiß eine größere Öffentlichkeit allerdings erst, seit ein Nachfahre des dortigen Herrschergeschlechts der Reußen vor eineinhalb Jahren bei den «Reichsbürgern» mitgeputscht hat. Wie sämtliche männlichen Mitglieder der Dynastie heißt er Heinrich, ist...

Vorschau und Imressum 4/24

Unkonventionell
Als Tanzchoreografin ist sie eine Instanz. Doch auch in der Oper hat Sasha Waltz einige hochinteressante Regiearbeiten vorgelegt, von Purcells «Dido» über Dusapins «Medea» bis hin zu Wagners «Tannhäuser». Bei den Osterfestspielen Salzburg wagt sich Waltz nun an eines der schwierigsten Werke – an die Johannes-Passion von Bach. Wir schauen zu

Polyglot...