Mein lieber Pfau!
Im Theater stehlen echte Tiere auf der Bühne den Menschen zuverlässig die Schau. Allerdings protestieren zunehmend Tierschützer gegen den Einsatz der unfreiwilligen Bühnenstars. Menschen in Tierkostümen dagegen kommen heute fast nur noch in Kinderstücken vor. Und da, wo sie im Erwachsenen-Theater verlangt sind – etwa bei Janáčeks «Schlauem Füchslein» – widerstehen Regie und Kostümdesign in der Regel der Versuchung märchenhafter Opulenz und stellen die Figuren ohne Fuchsschwänze oder Bärenfelle auf die Bühne.
Was das ungeklärte Verhältnis zwischen Bühnen-Mensch und -Tier aber auch nicht löst.
Nelly Danker erstaunt in Hagen nun mit einer kuriosen Idee für Wagners «Lohengrin»: Die Regisseurin steckt das gesamte Personal in Vogelkostüme. Da ist in Fragen der Zuordnung ornithologischer Sachverstand gefragt, aber zum Glück bietet das Programmheft Hilfestellung. Trotzdem ist es gar nicht so leicht, die schematisierten Zeichnungen aus den zoologischen Fachbüchern mit Amélie Sators überzeichnenden Textilien abzugleichen. Klar: Lohengrin mit blauer Kappe, wippenden Fühlern und Schleppe ist ein Pfau, aber Elsa ganz in Weiß? Eine Taube, von der ja immerhin später in der Gralserzählung noch ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Regine Müller
Der «Andere», namenlos, kommt ins Dorf, mit Esel und Pferd. Ein Krieg ist zu Ende, der die Überlebenden, so oder so beschädigt, zurückgelassen hat. Gewaltmenschen waren aufgetaucht, in dem merkwürdig deformierten Pseudo-Deutsch, das sich hier ins Französisch mischt, «Fratergekeime» genannt. Sie hatten Männer gemordet und Frauen misshandelt, hatten Lager umzäunt für...
Die berühmteste Passage in Tschaikowskys «Eugen Onegin» ist die große Briefszene der Tatjana im ersten Akt: Die schwärmerisch veranlagte, sich vor der russischen Langeweile in die Literatur flüchtende junge Frau ist jäh für den abgebrühten Großstädter Onegin entflammt und schreibt ihm nachts einen glühenden Brief, in dem sie ihm ihre Liebe gesteht. Das Aufwallen...
In der russischen Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begegnen uns insbesondere bei Gogol und Dostojewski ganz unheldische Helden, die zuvor kaum je die Aufmerksamkeit der Dichter erregten. Sie entsprechen dem Typus des «armen Beamten». Auffällig ist, dass in vielen der ihnen gewidmeten Geschichten ihre Identität bedroht ist: So trifft in Dostojewskis...
