Wer sind wir?

Die Jugendoper «Imperium der Illusionen» von Helena Cánovas Parés stellt am Theater Münster die richtigen Fragen

Opernwelt - Logo

Dass sie sich zu wenig auf die gegenwärtige Wirklichkeit einlassen, wirft man den Stoffen aktueller Opern mit Recht vor. Aber das gilt nicht für die Stücke, die für Jugendliche geschrieben und komponiert werden. Manch älterem Zuschauer rauchte gewiss der Kopf über das, was an bunten, grell-poppigen Bildern und Klängen pausenlos auf ihn einstürmte bei der Uraufführung der Oper «Imperium der Illusionen» Mitte Februar im Kleinen Haus des Theaters Münster.

Das Musiktheater für ein junges Publikum übers Faken, über die Frage «Wer sind wir?» und die Illusionen, die wir uns machen, jedenfalls scheint ins Herz der Netflix-Generation zu treffen. Eine Netflix-Serie war auch der Ausgangspunkt für das Libretto von Carina Sophie Eberle, die bereits eine Reihe von Jugendtheater-Preisen abgeräumt hat und deren erstes Buch vor Kurzem im Verlag der Autoren erschien. Ihre Geschichte um Jugendliche, die sich durchs Leben faken, nimmt Elemente des Filmischen auf, zerbricht aber die Chronologie und führt uns in einer Art Revue mit scharfen Schwenks die mal abenteuerlichen, mal grotesken Stationen vor, die die Heldin Lia erlebt, nachdem sie in der Berufsberatung den Rat bekam, ihre Potenziale voll ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2024
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Widerborstig

Unter den Töchtern Vincenzo Bellinis gilt sie als die unscheinbarste. Weder besitzt sie die Anmut einer Amina, Bianca oder Elvira, noch den Zauber einer Zaira oder Agnese (Kosename: Alaide); auch eignet ihr kaum das (sich ins Tragische wendende) jugendliche Unbekümmerte Giuliettas, die Sanftmut einer Imogene oder das Flammend-Heroische der schönen Norma. Beatrice...

Schwanengesang

Wäre dieser Zyklus ein Berg, man läge gewiss kaum falsch, wenn man ihn mit dem Mount Everest vergleichen würde. Strauss’ «Vier letzte Lieder» auf Verse Hermann Hesses und Joseph von Eichendorffs sind der einsame, für viele unerreichbare Gipfel spätromantischer Liedkunst, gleichsam deren exzentrisch-introspektiver Epilog. Tiefliegende Empfindsamkeit verbindet sich...

Verachtung

Was der Mensch sei? Es ließe sich diese ewig ungelöste Frage auf sehr verschiedenartige Weise beantworten. Die pessimistische Variante wäre diejenige, die sich auf Dichter, Dramatiker und Denker von Sophokles über Hobbes, Kant, Hölderlin und Schopenhauer bis zu Gottfried Benn beruft und den Menschen als Ungeheuer in den imaginären Raum der Geschichte stellt. Man...