Wer sind wir?
Dass sie sich zu wenig auf die gegenwärtige Wirklichkeit einlassen, wirft man den Stoffen aktueller Opern mit Recht vor. Aber das gilt nicht für die Stücke, die für Jugendliche geschrieben und komponiert werden. Manch älterem Zuschauer rauchte gewiss der Kopf über das, was an bunten, grell-poppigen Bildern und Klängen pausenlos auf ihn einstürmte bei der Uraufführung der Oper «Imperium der Illusionen» Mitte Februar im Kleinen Haus des Theaters Münster.
Das Musiktheater für ein junges Publikum übers Faken, über die Frage «Wer sind wir?» und die Illusionen, die wir uns machen, jedenfalls scheint ins Herz der Netflix-Generation zu treffen. Eine Netflix-Serie war auch der Ausgangspunkt für das Libretto von Carina Sophie Eberle, die bereits eine Reihe von Jugendtheater-Preisen abgeräumt hat und deren erstes Buch vor Kurzem im Verlag der Autoren erschien. Ihre Geschichte um Jugendliche, die sich durchs Leben faken, nimmt Elemente des Filmischen auf, zerbricht aber die Chronologie und führt uns in einer Art Revue mit scharfen Schwenks die mal abenteuerlichen, mal grotesken Stationen vor, die die Heldin Lia erlebt, nachdem sie in der Berufsberatung den Rat bekam, ihre Potenziale voll ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Uwe Schweikert
Im Theater stehlen echte Tiere auf der Bühne den Menschen zuverlässig die Schau. Allerdings protestieren zunehmend Tierschützer gegen den Einsatz der unfreiwilligen Bühnenstars. Menschen in Tierkostümen dagegen kommen heute fast nur noch in Kinderstücken vor. Und da, wo sie im Erwachsenen-Theater verlangt sind – etwa bei Janáčeks «Schlauem Füchslein» – widerstehen...
Der «Andere», namenlos, kommt ins Dorf, mit Esel und Pferd. Ein Krieg ist zu Ende, der die Überlebenden, so oder so beschädigt, zurückgelassen hat. Gewaltmenschen waren aufgetaucht, in dem merkwürdig deformierten Pseudo-Deutsch, das sich hier ins Französisch mischt, «Fratergekeime» genannt. Sie hatten Männer gemordet und Frauen misshandelt, hatten Lager umzäunt für...
Wäre dieser Zyklus ein Berg, man läge gewiss kaum falsch, wenn man ihn mit dem Mount Everest vergleichen würde. Strauss’ «Vier letzte Lieder» auf Verse Hermann Hesses und Joseph von Eichendorffs sind der einsame, für viele unerreichbare Gipfel spätromantischer Liedkunst, gleichsam deren exzentrisch-introspektiver Epilog. Tiefliegende Empfindsamkeit verbindet sich...
