Masse und Nacht
Zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn ist der Bismarckplatz neben dem Theater unerreichbar, zumindest für Autofahrer. Derbe Protestrufe, Transparente, Polizei, einmal fahren Blaulicht-Busse durch die angrenzende Fußgängerzone. Für Regensburg sind drei Demonstrationen eine harte Nuss. Der Mittelstand verschafft sich Gehör und stänkert gegen die Ampelkoalition. Vor allem aber marschieren rechtsextreme Schwurbler der Aktion «Kinder stehen auf», die ihrerseits auf lautstarke Gegenwehr treffen. Dem kurzzeitig umtosten Musentempel spielt das sogar in die Hände.
Ein ungeplanter Aktionstag und die perfekte dramaturgische Hinführung zur abendlichen Premiere? Da sieht man nämlich eine aggressiv aufgeladene Dorfbevölkerung auf der Bühne. Die Bürgermeisterin, Frau Tünde, ist mit ihrer faschistoiden Bewegung «Es grünt so grün» gerade an die Macht gekommen. Und zu alledem hat sich ein Zirkus angekündigt mit einem Star, einem ausgestopften Wal, sowie einem geheimnisvollen Chef, einem Prinzen, von dem man nicht genau weiß, was er ist: Heilsbringer? Ein dunkler Führer? Oder beides zusammen? «Valuschka», das neue Musiktheater von Peter Eötvös, lässt es offen. Am Ende entlädt sich alles in ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Markus Thiel
Als Charpentiers «David et Jonathas» im Jahr 1688 am Pariser Collège Louis-le-Grand uraufgeführt wurde, stand die Musik nicht allein für sich: Zwischen die fünf Akte schoben die Zöglinge der (als Lycée bis heute renommierten) Jesuitenschule eine lateinische Tragödie namens «Saül» über den ersten König Israels und sein verlorenes Kriegsglück im Kampf gegen die...
Im Freistaat Bayern gleicht die Kulturmomentan eher eine Ruinenlandschaft, jedenfalls bei den Opernhäusern: Das Staatstheater Augsburg, das Mainfranken Theater Würzburg und das Landestheater Niederbayern spielen in Ausweichquartieren, bei der Nürnberger Oper und beim Münchner Nationaltheater stehen ebenfalls Generalsanierungen an, das (Staats-)Theater Regensburg...
Er war einer der größten Sänger des 20. Jahrhunderts und ist doch kaum bekannt – der 2016 verstorbene US-Amerikaner Russell Oberlin. 1959 nahm er ein Recital mit Händel-Arien auf, das zweifelsohne zu den Glanzlichtern des Barockgesangs gehört. Darunter befindet sich auch die Arie «Ombra cara di mia sposa», in der Radamisto den vermeintlichen Tod seiner Frau Zenobia...
