Mascagni: Cavalleria rusticana/Leoncavallo: I pagliacci
Mit ihrer neuen Produktion beweist die Deutsche Oper Berlin Kontinuität: Auf der Bühne dominieren große Namen, im Graben gibt der soundsovielte Top-Kandidat für die Thielemann-Nachfolge den Takt an, im Saal werden Bravi und Buhs unberechenbar ausgeteilt. Was David Pountney und sein Ausstatter Robert Innes Hopkins als bewährtes «Cavalleria/ Pagliacci»-Doppel präsentieren, ähnelt überdies Vera Nemirovas letztjähriger «Fanciulla»-Inszenierung am selben Ort: Verismo als detailgetreues Abbild heutiger Zustände, inklusive überraschender Final-Dekonstruktion.
In Pountneys Sizilien türmen sich mafiose Investitionsruinen: Mamma Lucia ist Kioskbetreiberin an einer Autobahnauffahrt ins Nirgendwo. Die Cosa Nostra prozessiert frömmelnd vorbei, während sich Turiddu in Proleten-Tracht an die scheinheilige Lola heranmacht – Peter Seiffert spielt das hinreißend. Unterschiedliche Straßenebenen gliedern den Raum zwar nicht unbedingt chorgerecht, bieten der verheerenden Dynamik ehrversessener Gruppen aber ein klares Forum.
Weniger deutlich geht es bei den «Pagliacci» zu, denen Pountney offensichtlich misstraut: Die Aushebelung des Theaters durch die Wirklichkeit interpretiert er als perfiden Trick eben ...
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Das war die kurzweiligste Geschichtsstunde, die ich je erlebte: «Garibaldi en Sicile» von Marcello Panni, uraufgeführt an Neapels Teatro San Carlo. Thema des historischen Bilderbogens ist die Befreiung und Eroberung Siziliens durch Garibaldis Freiwilligenregiment im Jahr 1860, die der Herrschaft der neapolitanischen Bourbonen über Süditalien ein Ende bereitete....
Sie sind der Schrecken jedes Kostümbildners: Die textile Variationsbreite in Francis Poulencs «Gespräche der Karmeliterinnen» beschränkt sich in der Regel auf den Zuschnitt des Nonnenhabits. Dass ausgerechnet am Schweriner Theater an dieser Werkkonvention gerüttelt werden würde, war kaum zu erwarten: Angesichts einer nach wie vor prekären finanziellen Zukunft...
Elends-Ambiente, die blanke Not gibt es weder in Freiburg noch in Mannheim. Beide «Wozzeck»-Inszenierungen, die von Markus Lobbes in Süd- wie die von Olivier Tambosi in Nordbaden, munitionieren sich nicht im sozialen Umfeld der Gestalten. Ihre Ortlosigkeit ist total. Gottfried Pilz’ Mannheimer Bühne ist ganz leer: Sand, nichts als Sand, ein Hauch von Zirkus, von...
