Poulenc: Gespräche der Karmeliterinnen

Schwerin

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Sie sind der Schrecken jedes Kostümbildners: Die textile Variationsbreite in Francis Poulencs «Gespräche der Karmeliterinnen» beschränkt sich in der Regel auf den Zuschnitt des Nonnenhabits. Dass ausgerechnet am Schweriner Theater an dieser Werkkonvention gerüttelt werden würde, war kaum zu erwarten: Angesichts einer nach wie vor prekären finanziellen Zukunft (feste Mittelzusagen gibt es bislang nur bis Ende dieses Jahres) ist es schon ein Verdienst, wenn überhaupt eine Oper des 20. Jahrhunderts auf dem Spielplan erscheint.

Etwas genauer hätte Regisseur Matthias Oldag allerdings schon hinschauen können: Er zeigt zwar den kargen klösterlichen Alltag der Frauen vom Berge Karmel, findet aber keine Bilder für ihre zwischen Sentimentalität und mystischer Verzückung oszillierende Glaubenswelt. Statt den Gegensatz zwischen der unschuldigen, bewusst naiven Frömmigkeit der Nonnen und dem menschenverachtenden Rationalismus des Staates freizulegen, belässt es Oldag beim bloßen Politprozess gegen die Mär­tyrerinnen: Auf einer Leiste in halber Höhe des Bühnenraums wird an etliche Fälle erinnert, in denen Menschen für ihre Überzeugung sterben mussten – von Jesus über Sophie Scholl bis zu ...

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Opernwelt Juni 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 50
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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