Mao und der Zottel
Glücklicher Kalaf: Er hat nur drei Rätsel zu lösen und darf sich danach am Ziel wähnen. Armer Zuschauer: Er wird in Günter Krämers neuer «Turandot»-Inszenierung mit Rätseln zugeballert und ist am Ende keineswegs aufgeklärt. Unterstellen wir mal, dass sich Krämer vieles genau überlegt hat. Doch ächzt diese Aufführung bis zum Schluss unter der Fülle ungelöst bleibender Denksportaufgaben; etwa wenn die tote Liù aufersteht und mit den anderen handelnden Personen, wie Ahasver zur ewigen Wanderschaft verdammt, im Kreis umherzieht.
Turandot als immer wiederkehrendes Rätsel?
Krämer verzichtet auf einen der nachkomponierten Schlüsse und lässt «Turandot» mit Liùs Tod im Sinne Toscaninis und der Uraufführung enden. Das heißt, die später hinzukomponierte Liebeserfüllung bleibt Kalaf und Turandot versagt. Daher – wirklich deswegen? – verlegt Krämer die Rätselfragenszene in ein großes Bett und antizipiert somit, was in der Original-Puccini-Fassung nicht (mehr) zum Tragen kommt. Doch Erfüllung sieht wohl anders aus. Turandot nimmt das erste Rätsel beschwipst mit einem Drink in der Hand zur Kenntnis, beim zweiten ist sie dem Selbstmord nahe, beim dritten bleibt sie regungslos. Krämer, der ...
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Die Unterzeile, die bei der jüngsten Mannheimer Opernproduktion dem Originaltitel «Fidelio» beigegeben war, ließ aufhorchen. Sie lautete: «Beethoven op. 72 (1814) bei der NBC New York (1944) Toscanini Reminiszenz 2004». Ein klar verklausuliertes Signal, dass hier keine herkömmliche Auseinandersetzung mit einer klassischen Vorlage geplant war.
Bei seiner ersten...
Hugo von Hofmannsthals «Elektra» war nicht als Libretto geplant, sondern ein Versuch des Dichters, dem Lyrismus seiner frühen Bühnenwerke zu entkommen und zum «dramatischen Drama» vorzustoßen – ein Versuch, der ihm nach eigenem Bekenntnis «erst nur halb» gelang. Richard Strauss, der das Stück 1903 in Max Reinhardts Berliner Inszenierung (mit Gertrud Eysoldt in der...
Die Welt steht Kopf. Der Escorial eine leere Betonruine mit Fenstern wie hohle Augenlöcher, in der Ecke das gesichtslose Tizian-Porträt Kaiser Karls V. Einmal öffnet sich die Rückwand für eine unheimliche Flussaue, und auch nach der Pause ist die Bühne nur scheinbar im Lot. Wo in der Mitte bewegliche gläserne Hänger ein Zentrum markierten, ist nun ein Guckkasten...
