Das Sofa des Schicksals

Bonn, Verdi: La forza del destino

Opernwelt - Logo

Da hilft kein Fleckenteufel: Am Ende ist das weiße Sofa nicht weniger blutüberströmt als jene, die auf ihm lebten, liebten und starben. Dass Philipp Himmelmann kein Möbelschoner ist, hat er schon in seiner Berliner «Don Carlo»-Inszenierung bewiesen, wo Spanien an, auf und unter einem Esstisch regiert wurde. In der Heimat des Regisseurs muss nun ein Viersitzer dran glauben, um die verwickelten Folgen der Verdi’schen Schicksalsmächte entwirren zu helfen. Wie eng beide Werke zusammenhängen, zeigt nicht zuletzt die konzeptionelle Ähnlichkeit dieser Wohnzimmerversionen.


Dass das Konzept bei der Bonner «Forza» konsequenter greift als beim Berliner «Carlo», mag an dem lockerer geknüpften politischen Geflecht des Stücks liegen, das denn auch nicht im Vordergrund der Inszenierung steht. Himmelmanns Blick gilt vor allem den inneren Regungen der Figuren, die weniger des Schicksals wegen als eher durch emotional unbewältigte Zufälle gegeneinander anrennen. Dass Himmelmann hierzu kaum mehr als besagte Sitzgelegenheit braucht, unterstreicht seine Fähigkeit zur konzentrierten Personenführung und einen unter Regisseuren seltenen Sinn für Ökonomie.
Was nach und nach aus dem Schnürboden auf die leere ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jugendbilder der Stars

Seit 2002 hat auch das Münchner Label Arts Music seine Archiv-Reihe, in der unveröffentlichte Schätze aus Rundfunkarchiven und zu Unrecht Vergessenes aus den Katalogen verschollener Firmen im Mid-Price-Segment zugänglich gemacht werden. Verwendet werden grundsätzlich nur Originalbänder. Nach 24Bit-Digitalisierung ergeben sie ein erstaunlich klares, transparentes...

Ein Jung-Siegfried nach Maß

Auch wenn es gegenüber dem Produktionsteam und ­allen anderen Mitwirkenden ungerecht ist, der neue «Siegfried» an der ENO (English National Opera) ist vor allem wegen des Protagonisten bemerkenswert: Ri­chard Berkeley-Steele bewältigt die Monsterpartie nicht nur stimmlich eindrucksvoll, sondern er bietet dem Publikum das äußerst seltene Ereignis, in Körpersprache,...

«Von Leipzig verspreche ich mir etwas Neues»

Herr Chailly, im September 2005 treten Sie Ihr Amt als ­Ge­ne­ralmusikdirektor der Leipziger Oper und Gewandhauskapellmeister an. Leipzig zählt, trotz der unbestrittenen Qualitäten des Orchesters, nicht wirklich zu den führenden Musikmetropolen. Wo­rin besteht für Sie der Reiz?
Leipzig ist nicht irgendeine Stadt, sondern ein Ort mit einer ganz außergewöhnlichen...